ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2012Elektronischer Arztbrief: Im Praxisalltag angekommen

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Elektronischer Arztbrief: Im Praxisalltag angekommen

Dtsch Arztebl 2012; 109(21): A-1068 / B-920 / C-912

Krüger-Brand, Heike E.

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Im Landkreis Düren erproben 230 niedergelassene und Krankenhausärzte erfolgreich den elektronischen Arztbrief mit qualifizierter elektronischer Signatur.

Foto: Fotolia/Onidji
Foto: Fotolia/Onidji

Wie sieht der typische Datenaustausch in den Arztpraxen aus? Einer Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) unter ihren Mitgliedern im Juli 2011 zufolge dokumentieren zwar 83,3 Prozent der Hausärzte und 72,2 Prozent der Fachärzte komplett digital, Arztbriefe jedoch werden derzeit immer noch fast ausschließlich per Post oder Papierfax versandt, lediglich 5,1 Prozent erreichen per E-Mail den Empfänger. Knapp zwei Drittel der befragten Ärzte scannen die papiernen Arztbriefe aufwendig ein, ein Viertel archiviert sie in der Karteikarte, der Rest nutzt beide Archivierungsverfahren. Die Hausärzte empfangen durchschnittlich 670 Arztbriefe je Quartal – vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass nahezu zwei Drittel der befragten Hausärzte sehr interessiert an elektronisch übermittelten Arztbriefen sind.

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Gewohntes beibehalten

Gering ist dagegen die Bereitschaft, in Technologie zu investieren oder Prozesse zu verändern. „Die Ärzte wünschen sich, dass die Abläufe bei der Arztbriefschreibung möglichst beibehalten werden“, meint Dr. Erich Gehlen vom Arztsoftwarehaus Duria. Das Unternehmen erprobt zusammen mit der KVNo und weiteren Partnern in einem aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Projekt in der Region Düren den elektronischen Arztbrief (eArztbrief) mit qualifizierter elektronischer Signatur (QES). Projektteilnehmer sind außerdem 180 niedergelassene und 50 Krankenhausärzte.

Das Vorhaben ist Teil der geplanten einrichtungsübergreifenden elektronischen Fallakte, die in Nordrhein-Westfalen für Integrationsversorgungsprojekte und Ärztenetze entwickelt und ab dem Jahr 2013 erprobt werden soll. Dabei besteht die Fallakte im Wesentlichen aus eArztbriefen. Der elektronische Heilberufsausweis dient als Signaturwerkzeug für die Ärzte. Als Zugangstechnologie werden ISDN und die D2D-Kommunikationsplattform beziehungsweise das KV-SafeNet genutzt. Über ein Ticketverfahren autorisieren die Patienten, für die eine Fallakte angelegt wird, den Zugriff auf die Akte.

Derzeit erfolge die Arztbriefschreibung in der Regel ohne strukturierte Dokumentation, berichtete Gehlen. Das Prozedere: Die Patientendaten werden aus der Krankenakte exportiert, und der Arzt erstellt in der Textverarbeitung der Arztsoftware wie gewöhnlich den Arztbrief. Dieser wird in ein PDF/A-Format konvertiert, mit der QES versehen und verschlüsselt an den D2D-Server der KVNo übermittelt. Mittlerweile ist auch die Stapelsignatur umgesetzt, so dass der Arzt mit einer PIN-Eingabe beliebig viele Dokumente mit seinem Heilberufsausweis unterzeichnen kann.

Handelt es sich dagegen um strukturierte Arztbriefe nach dem VHitG-Standard, liegen die Daten im XML-Format vor. Dadurch sind programmierte Auswertungen der Dokumente möglich, und der Empfänger kann beispielsweise gezielt Teile daraus als Fremdbefunde in sein eigenes Dokumentationssystem übernehmen und weiterverarbeiten. Der Brief im XML-Format wird ebenfalls in das PDF/A-Format konvertiert und signiert. Anschließend werden sowohl der strukturierte VHitG-Arztbrief als auch die signierte PDF/A-Datei an den D2D-Server übertragen. „Unstrukturierte Briefe holt der Empfänger vom Server ab und ordnet sie en bloc dem Patienten zu. Bei strukturierten Briefen holt der Empfänger jeweils zwei Dateien ab: Die strukturierten Informationen aus dem VHitG-Brief kann er automatisiert in die Patientenakte übernehmen, die PDF/A-Datei wandert ins Archiv“, erläutert Gehlen.

Die Post geht ab

Ende 2011 wurde mit dem adressierten Versand von signierten eArztbriefen rund um eine Radiologiepraxis begonnen. Inzwischen sind circa 40 Arztpraxen aktiv beteiligt. Das klappt laut Gilbert Mohr, Leiter der Stabsstelle IT in der Arztpraxis der KVNo, so hervorragend, dass sich die Zahlen der versandten eArztbriefe von Monat zu Monat verdoppelt haben und inzwischen weit mehr als 1 000 Briefe monatlich versandt werden. Bis Ende des Jahres sollen etwa 100 Praxen teilnehmen; außerdem wollen nach der Sommerpause drei Krankenhäuser in Düren ihre Arztbriefe elektronisch versenden.

Die Nutzer profitieren gleich mehrfach: Die Arztbriefe müssen nicht länger eingescannt werden, sondern lassen sich direkt im Patientenarchiv zuordnen, das heißt, die Prozesse vereinfachen sich. Außerdem wird den Anforderungen des Datenschutzes Rechnung getragen, denn die Briefe werden verschlüsselt übertragen und sind rechtssicher mit der QES signiert.

Heike E. Krüger-Brand

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