ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2012Betablocker senken das Darmkrebsrisiko nicht

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Betablocker senken das Darmkrebsrisiko nicht

Dtsch Arztebl 2012; 109(21): A-1052 / B-908 / C-900

EB

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Seit Jahren haben Krebsforscher Hinweise darauf, dass die millionenfach gegen Bluthochdruck verschriebenen Betablocker das Krebsrisiko beeinflussen können. Zum Welthypertonietag am 17. Mai erschien eine detaillierte Studie aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, die diese Hypothese für Darmkrebs widerlegt (Cancer 2012, doi: 10.1002/cncr.26727).

Die Theorie, dass Betablocker das Krebsrisiko senken könnten, stammt aus Laborversuchen, die zeigen, dass das Stresshormon Noradrenalin Wachstum und Verbreitung von Krebszellen fördert. Betablocker hemmen die Wirkung dieses Signalmoleküls. „Bei einem so verbreiteten Arzneimittel ist es wichtig, mögliche Einflüsse auch auf das Krebsrisiko genau zu erforschen“, sagt Dr. sc. hum. Michael Hoffmeister. „Auch kleine Risikoveränderungen durch diese Substanzen hätten eine große Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit.“

Im Rahmen der „DACHS-Studie“ suchten Hoffmeister und Kollegen nach Beweisen für einen solchen Zusammenhang. Zwischen 2003 und 2007 interviewten sie in der Rhein-Neckar-Odenwald-Region 1 762 Darmkrebspatienten und 1 708 Menschen, die nicht an Krebs erkrankt waren. Die Forscher erfragten das Präparat und die Dauer der Einnahme, erkundigten sich nach medizinischen Hintergründen, nach Übergewicht und erfassten Lebensstilfaktoren wie Alkohol- und Zigarettenkonsum.

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Sie fanden keinerlei Hinweise darauf, dass Betablocker das Darmkrebsrisiko senken, auch nicht bei langjähriger Einnahme. Auch für einzelne Präparate der Medikamentenklasse ließ sich keine Risikoreduktion nachweisen, ebenso wenig fanden die Forscher Zusammenhänge mit Tumoren in einzelnen anatomischen Abschnitten des Darms. Setzten die Forscher die Stadienverteilung der Tumoren mit der Einnahme der Blutdrucksenker in Beziehung, fanden sie zwar eine Risikosteigerung für fortgeschrittene Tumoren (Stadium IV). Allerdings müsse dieses Ergebnis erst durch weitere Untersuchungen bestätigt werden, da die Fallzahlen für diese Tumorstadien gering waren.

Hoffmeister erklärt die Fallstricke, die zu scheinbaren Zusammenhängen führen können, wie folgt: „Die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge senkt beispielsweise das Risiko für einen fortgeschrittenen Tumor, da mögliche Krebsvorstufen bei der Untersuchung direkt entfernt werden. Und Hypertoniker gehen vielleicht einfach öfter zum Arzt, der sie auf die Krebsvorsorge aufmerksam macht.“ EB

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