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Notwendigerweise muss eine Kurzfassung der (andernorts voll publizierten) Leitlinie (1) die wichtigsten praktischen Empfehlungen bündeln. Deswegen waren mehrere Aspekte nur knapp abzuhandeln. Vor diesem Hintergrund beantworten wir die Kritik wie folgt:

  • Anders als von Herrn Dr. Albers angedeutet zählt auch die Leitlinie eine umfassende Anamnese gerade beim Reizdarmsyndrom zum unverzichtbaren „Basiswerkzeug“; der herausragende Stellenwert der Anamnese wird prominent herausgestellt.
  • Die Besonderheit psychischer Mechanismen wird in einem Hauptkapitel unter Mitarbeit vieler Vertreter entsprechender Fachdisziplinen und Fachgesellschaften reflektiert. Ähnliches gilt für Stress und extraintestinale Symptome.
  • Die für das Syndrom entscheidenden Schlüsselmechanismen sind aber biochemische und zelluläre Störungen auf Ebene der Mukosaintegrität und des enterischen Nervensystems. Dies wurde in einer Vielzahl hochwertiger Studien gewonnen und überzeugend und reproduzierbar demonstriert.
  • Das „normale“ Wechselspiel zwischen Darm und Psyche spielt auch beim Reizdarmsyndrom eine bedeutende Rolle: es kann Beschwerden verschlimmern, lässt sich aber auch zur Symptomlinderung nutzen. Beides betont auch die Leitlinie. Dies kann zum Beispiel psychotherapeutisch und/oder mittels niedrigdosierter Antidepressiva erfolgen, wobei auch letztere primär auf eine Pharmako-Modulation enterischer Neurone und nicht etwa des ZNS abzielen. Allerdings sind die Therapieerfolge auch nach Studienlage widersprüchlich und keinesfalls so durchschlagend, wie im Leserbrief behauptet.
  • Nachdrücklich zurückzuweisen und ohne jede seriöse wissenschaftliche Grundlage sind Thesen, die das Reizdarmsyndrom als rein psychische Störung („Mandelkernautonomie“) oder als Phobie („Spinnenphobie“) darstellen. Einem vergleichbaren Irrglauben unterlag das jahrzehntelange psychosomatische „Modell“ des Magengeschwürs vor der Entdeckung des Helicobacter pylori.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0416b

Dr. med. Viola Andresen, MSc

Prof. Dr. med. Peter Layer

Israelitisches Krankenhaus

Hamburg

v.andresen@ik-h.de

Interessenkonflikt

Prof. Layer erhielt Honorare für Beratertätigkeiten der Firmen Abbott, Solvay, Shire und Norgine. Ihm wurden Reise- bzw. Übernachtungskosten erstattet von den Firmen Shire und Norgine. Weiterhin erhielt er Honorare für Vorträge von den Firmen Falk, Movetis/Shire, Abbott/Solvay, Axcan, Boehringer und Novartis. Prof. Layer erhielt Honorare für klinische Auftragsstudien von den Firmen Axcan und Solvay.

Dr. Andresen erhielt Honorare für Beratertätigkeiten und Vorträge, sowie erstattete Übernachtungs-, bzw. Reisekosten und Teilnahmegebühren zu Fortbildungsveranstaltungen/Kongressen von den Firmen Norgine, Falk, Axcan, Abbott/Solvay und Shire/Movetis.

1.
Layer P, Andresen V, Pehl C, et al.: S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). Z Gastroenterol 2011; 49: 237–93. CrossRef MEDLINE
2.
Andresen V, Keller J, Pehl C, Schemann M, Peiss J, Layer P: Irritable bowel syndrome—the main recommendations. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(44): 751–60. VOLLTEXT
1.Layer P, Andresen V, Pehl C, et al.: S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). Z Gastroenterol 2011; 49: 237–93. CrossRef MEDLINE
2.Andresen V, Keller J, Pehl C, Schemann M, Peiss J, Layer P: Irritable bowel syndrome—the main recommendations. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(44): 751–60. VOLLTEXT

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