ArchivDeutsches Ärzteblatt22-23/2012115. Deutscher Ärztetag in Nürnberg: Zukunftsmodell Kooperation

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115. Deutscher Ärztetag in Nürnberg: Zukunftsmodell Kooperation

Dtsch Arztebl 2012; 109(22-23): A-1113 / B-957 / C-949

Stüwe, Heinz

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Heinz Stüwe, Chefredakteur
Heinz Stüwe, Chefredakteur

Eine Stärkung der Prävention, die Verbesserung der ärztlichen Aus- und Weiterbildung, Abbau der Bürokratie, eine neue Gebührenordnung für Ärzte, die Förderung von Ärztenetzen – das waren Themen, die sich Ärztinnen und Ärzte in einer Spontanumfrage der Redaktion für den Deutschen Ärztetag wünschten – nachzulesen unter aerzteblatt.de/nachrichten/50216. All dies wurde tatsächlich in Nürnberg diskutiert, zum Teil sehr ausführlich, auch kontrovers, aber immer konstruktiv. Wann gab es schon mal einen Ärztetag, der nicht im Zeichen der Abwehr drohender Sparmaßnahmen oder unsinniger Reformgesetze gestanden hätte? Fast immer in den vergangenen Jahren war die Ärzteschaft gezwungen zu reagieren, Zumutungen von außen abzuwehren. In Nürnberg wurde die entspanntere Großwetterlage dazu genutzt, sich mit Zukunftsfragen des Gesundheitswesens zu beschäftigen.

Etwa mit den Konzepten für die Finanzierung der Kran­ken­ver­siche­rung. So wurde es, wie von Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, dem Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), beabsichtigt, ein politischer Ärztetag. Das Wagnis, die Protagonisten der beiden großen Parteien gegeneinander antreten zu lassen und der Diskussion ohne Vorgaben des BÄK-Vorstands ihren Lauf zu lassen, gelang. Der Ärztetag bekräftigte mit großer Mehrheit die Ablehnung einer Einheitsversicherung und forderte, beide Säulen des Systems, die gesetzliche und die private Kran­ken­ver­siche­rung, weiterzuentwickeln und zu stärken. Damit hat sich die Ärzteschaft in einer gerade beginnenden Grundsatzdebatte, die sich im Wahlkampfjahr 2013 zuspitzen dürfte, eindeutig positioniert. Zugleich hat der Ärztetag die Grundsätze einer freiheitlichen Ausübung des Arztberufs in einer Weise bekräftigt, die zumindest den Präsidenten der American Medical Association beeindruckte (siehe dazu das Interview in diesem Heft).

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Ein Zukunftsthema, bei dem heute die Weichen gestellt werden, sind die kooperativen Versorgungsstrukturen. Es ist mittlerweile akzeptiert, dass die ambulante Versorgung künftig verstärkt in unterschiedlichen Formen der Kooperation stattfinden wird. Der Ärztemangel lässt gar keine andere Wahl, und für viele junge Ärztinnen und Ärzte ist das Einzelkämpferdasein ohnehin nicht das Ziel ihrer Träume. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung ist bereits dabei, Kriterien für solche Praxisnetze auszuarbeiten, die durch eigene Vergütungsregelungen unterstützt werden sollen. Kooperation und Vernetzung werden nur gelingen, wenn auch weiterhin neue Ideen erprobt werden können.

Nicht nur beim Thema Vernetzung spielten sich Allgemeinärzte und Gebietsärzte die Bälle zu. Über die Rolle des Hausarztes in der gesundheitlichen Versorgung gab es eine Debatte, die – wer die heftigen Kämpfe um die hausarztzentrierte Versorgung aus den vergangenen Jahren kennt – geradezu harmonisch verlief. Darin spiegelt sich eine Gesprächskultur zwischen den ärztlichen Fachgruppen und Verbänden wider, die – vom neuen BÄK-Präsidium maßgeblich gefördert – hoffentlich von Dauer sein wird. Jedenfalls ist es ein wichtiger Fortschritt, dass in Nürnberg die Frage aufgeworfen wurde, ob man bei allen unbestrittenen Problemen gut über den Arztberuf sprechen dürfe. Die Antwort war ein klares Ja. Wer junge Leute begeistern will, muss ihnen auch die Freude am Beruf vermitteln.

Heinz Stüwe
Chefredakteur

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