ArchivDeutsches Ärzteblatt22-23/2012Randnotiz: Mensch denkt, Gott lenkt

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Randnotiz: Mensch denkt, Gott lenkt

Dtsch Arztebl 2012; 109(22-23): A-1117 / B-961 / C-953

Richter-Kuhlmann, Eva

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Wir wissen Monat für Monat oder fast Woche für Woche mehr über die Beteiligung vieler Genvarianten an den Risiken für die gängigen Volkskrankheiten. Die Zahl der Publikationen dazu wächst rasant. Dennoch ist der medizinische Nutzen dieser Erkenntnisse bislang fraglich. Darin waren sich auch Experten aus verschiedenen medizinischen Fachgebieten sowie aus dem Bereich der Bioinformatik einig, als sie der Deutsche Ethikrat Mitte Mai zu den Möglichkeiten und Grenzen prädiktiver Diagnostik multifaktorieller Erkrankungen befragte. Bei dieser öffentlichen Anhörung drängte sich dem Zuhörer ein altes Sprichwort auf: Der Mensch denkt, Gott lenkt.

Denn trotz einzelner Erfolge bei der Krankheitsvorhersage durch Gentests, wie beispielsweise durch Tests auf Mutationen des Insulinrezeptorgens bei Diabetes mellitus oder auf Mutationen in bestimmten Enzymgenen beim Herzinfarkt, werden diese in naher Zukunft wohl keinen breiten Einsatz bei der Vorhersage und Früherkennung der Volkskrankheiten finden. Meist haben die beteiligten Genvarianten nämlich nur einen jeweils sehr geringen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Ferner wird das Erkrankungsrisiko von vielen Varianten gleichzeitig beeinflusst. Hinzu kommen Wechselwirkungen der Genvarianten mit umweltbedingten Faktoren. Möglicherweise können neue epigenetische Untersuchungen und neue Biomarker die Krankheitsprädiktion künftig verbessern, da sie nicht nur die genetische Grundausstattung, sondern die jeweilige Genaktivität in den Blick nehmen.

Doch bis dahin zählen – unabhängig von einem erhöhten Risiko – die allgemeinen Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise und das Vertrauen in die eigene Gesundheit.

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