ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2012Wissenschaftlicher Beirat der Bundes­ärzte­kammer: Wichtige Klammer zwischen Wissenschaft und Selbstverwaltung

THEMEN DER ZEIT

Wissenschaftlicher Beirat der Bundes­ärzte­kammer: Wichtige Klammer zwischen Wissenschaft und Selbstverwaltung

Dtsch Arztebl 2012; 109(24): A-1226 / B-1053 / C-1048

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Peter C. Scriba: „Auch für Wissenschaftler bedeutet es etwas, wenn man das Votum der organisierten Ärzteschaft für wissenschaftlich begründete Stellungnahmen erhält.“ Foto: Jürgen Gebhardt
Peter C. Scriba: „Auch für Wissenschaftler bedeutet es etwas, wenn man das Votum der organisierten Ärzteschaft für wissenschaftlich begründete Stellungnahmen erhält.“ Foto: Jürgen Gebhardt

Seit 60 Jahren berät der Wissenschaftliche Beirat den BÄK-Vorstand in seiner Meinungsbildung zu medizinisch-wissenschaftlichen Grundsatzfragen.

Gar so arbeitsaufwendig hatte er sich den Job nicht vorgestellt: Als Prof. Dr. med. Peter C. Scriba im Jahr 2002 den Vorsitz des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) übernahm, hatte er bereits eine Reihe von Jahren etwa im Wissenschaftsrat oder im Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen hinter sich, ohne dass er das Gefühl hatte, sich nicht mehr um seine Leitungsfunktionen am Klinikum Innenstadt der LMU München kümmern zu können. Als ehrenamtlicher Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats (WB) hätte er damit wohl ein Problem bekommen, schildert der 1935 geborene Scriba im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Fast jede Woche sei er inzwischen unterwegs nach Berlin, um am Treffen einer der verschiedenen WB-Arbeitsgruppen teilzunehmen. Zweimal im Jahr kommt das Plenum des Wissenschaftlichen Beirats zusammen, viermal im Jahr trifft sich der Vorstand.

Anzeige

Expertise über die jeweiligen Fachgrenzen hinaus

Auch am 20. Juni wird Scriba wieder in Berlin sein. Dann veranstaltet der WB dort im Rahmen der Initiative zur Versorgungsforschung ein Symposium, das sich im Gedenken an den 2011 verstorbenen Ehrenpräsidenten der BÄK, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, mit dem Thema „Evidenz und Versorgung in der Palliativmedizin“ als einem zentralen Anliegen der Ärzteschaft befasst. Gleichzeitig soll mit dem Symposium auf das 60-jährige Bestehen des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK aufmerksam gemacht werden.

Die Anfänge des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK reichen bis in das Jahr 1951 zurück. Beim 54. Deutschen Ärztetag im Oktober 1951 kam der Wissenschaftliche Beirat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Vertreter aus 27 medizinischen Fachgesellschaften fanden sich zu diesem Zweck in München ein. Von Anfang an sollte es die Aufgabe des WB sein, „zu zahlreichen Problemen und Fragestellungen aus der Gesundheitspolitik begutachtend Stellung zu nehmen, die nur in Zusammenarbeit
aller wissenschaftlichen Gesellschaften gelöst werden können“. Die ersten Beratungsthemen waren der Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation, die Verwendung des Ultraschalls in der Therapie, fehlende Eignung zur Führung eines Kraftfahrzeugs wegen körperlicher oder geistiger Versehrtheit.

Damals wie heute kommen die Aufträge an den Wissenschaftlichen Beirat vom BÄK-Vorstand. Natürlich sei es dem WB unbenommen, intern Themenvorschläge zu diskutieren und diese an den BÄK-Vorstand heranzutragen, sagt Scriba. So werde etwa mit der geplanten Ausarbeitung zur Lage der Hochschulmedizin in Deutschland eine Ärztetags-Diskussion aufgegriffen; der Auftrag hierzu sei intensiv vom WB vorbereitet worden. Für die erfolgreiche Arbeit des Beirats hält Scriba es für äußerst wichtig, dass sich die Mitglieder nicht als delegierte Vertreter ihrer jeweiligen Fachgesellschaft ansehen, sondern mehr an den gesundheitspolitischen Implikationen der WB-Empfehlungen interessiert sind.

„Wir wissen, dass wir uns gegenseitig brauchen.“

Nicht zuletzt durch die Arbeit des WB habe sich in den zurückliegenden Jahren das Klima zwischen medizinischer Wissenschaft und selbstverwalteter Ärzteschaft mit der BÄK an der Spitze spürbar verbessert, meint Scriba. „Man benötigt den Sachverstand, um eine Sache entscheidungsreif zu machen. Aber am Ende entscheidet der Vorstand.“ Die fundierten Vorarbeiten des Wissenschaftlichen Beirats – etwa zur Präimplantationsdiagnostik, zu Placebo oder Osteopathie – hätten in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass die jeweiligen Entscheidungen des BÄK-Vorstands breite Anerkennung gefunden hätten. Scriba: „Wir wissen, dass wir uns gegenseitig brauchen. Wir sind in einer typischen Win-win-Situation, wenn die Grenzen eingehalten werden.“ Optimistisch sieht Scriba deshalb der weiteren Zusammenarbeit mit der BÄK entgegen.

Thomas Gerst

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema