ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2012Pränataltest: Unverständlicher Automatismus
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Nach Triple-Test, NT-Messung/Ersttrimester-Screening wird also demnächst bereits ab der zehnten Schwangerschaftswoche durch eine Blutentnahme bei der Schwangeren mit sehr hoher Treffsicherheit die (Verdachts-)Diagnose Trisomie 21 beim Feten gestellt. Weiter heißt es: „Bereits heute entscheiden sich 90 bis 95 Prozent aller Schwangeren, die erfahren, dass ihr Kind eine Trisomie 21 hat, für einen Abbruch.“ Immer wieder kann ich lesen, dass es offenbar Standard (90 bis 95 Prozent) ist, dass die pränatale (Verdachts-)Diagnose Trisomie 21 ganz einfach zum Schwangerschaftsabbruch führt. Jetzt meine Frage:

Wie geht das eigentlich?

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Wo, im Umfeld um des § 218, in den Mutterschaftsrichtlinien oder in den Richtlinien zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch, steht eigentlich, dass die pränatale (Verdachts-)Diagnose Trisomie 21 eine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch darstellt?. . . Ich wundere mich über die Selbstverständlichkeit mit der – übrigens auch auf gynäkologischen Fachkongressen – immer wieder so getan wird, als ob Trisomie 21 in Deutschland eine klar anerkannte Indikation zum Schwangerschaftsabbruch darstellt. Oder verstehe ich da etwas nicht? Ich sehe auch nicht bei den Schwangeren allein das Problem. Es müssen ja auch Ärzte und Ärztinnen beteiligt sein. Auch solche, die die Indikation stellen! Ich finde es merkwürdig, dass diese bei 90 bis 95 Prozent der positiv auf Trisomie 21 getesteten Schwangerschaften eine Indikation finden können, die zum Abbruch führt . . .

Mich wundert der Automatismus: Trisomie 21 = Abbruch. Den verstehe ich nicht!

Dr. med. Oliver Oettel, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, 94113 Tiefenbach

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