ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2012Randnotiz: Dampf und Rauch

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Randnotiz: Dampf und Rauch

Dtsch Arztebl 2012; 109(24): A-1207 / B-1039 / C-1031

Protschka, Johanna

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Das absurde Theater ist bekannt als eine Gattung, die das Grotesk-Komische und das zuweilen Sinnfreie in dieser Welt darzustellen versucht. Dass es Sinnfreies allerorten gibt, ist sicherlich unbestritten, doch werden dieser Tage Anhänger jener Strömung vor allem an der aktuellen Debatte um die seit ein paar Jahren im Handel erhältliche E-Zigarette ihre helle Freude haben.

Bereits 1963 von dem Amerikaner Herbert A. Gilbert erfunden, treibt sie seit einiger Zeit in deutschen Gaststätten vermehrt ihr Unwesen. Sie stinkt immerhin nicht nach Tabak, verdampft dagegen eine nikotinhaltige Flüssigkeit und wird von ihren Herstellern gar als die saubere Alternative zur herkömmlichen Zigarette gepriesen. Deutlich weniger Schadstoffe enthalte sie, weshalb sie von manch einem schon als die Lösung für alle Raucher gefeiert wurde, die ansonsten dem Lungenkrebs hätten entgegensehen müssen. Doch so einfach konnte man der Politik nichts vormachen. Rauch ist schließlich Rauch, auch wenn er jetzt Dampf heißt, und deshalb wollten die Bundesregierung und das Land NRW den elektrischen Glimmstängel alsbald rechtmäßig verbannen. Wohin? In die Apotheken, natürlich.

Doch die Juristen schüttelten nur die Köpfe: Eine Kategorisierung als Arzneimittel ist gar nicht möglich, denn die E-Zigarette wird schließlich nicht zur Tabakentwöhnung eingesetzt. Es fehlt also die Zweckbestimmung.

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Kampfbereit gab sich NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­terin Steffens und warnte danach einfach öffentlich vor dem Dampf. Aber auch das dürfe sie nicht, beschloss das Oberverwaltungsgericht in Münster: Die E-Zigarette fällt nicht unter das Arzneimittelgesetz. Den Raucher schließlich freut´s: Er dampft noch eine.

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