ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2012Über den Tellerrand hinausschauen
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Seit Jahren schon beschäftige ich mich ausgiebig mit der Stuhldiagnostik und der Diagnostik chronischer MagenDarm-Beschwerden, dem sogenannten Reizdarmsyndrom. Es ist erstaunlich, bei wie vielen Patienten, bei denen die klassische Schulmedizin nichts pathologisches gefunden hat, man in der Stuhldiagnostik die Ursache der Beschwerden findet. Nichts pathologisches heißt in diesem Fall, laborchemisch nach der empfohlenen Diagnostikstrategie lediglich normale Serum-Laborwerte, sowie fehlender Nachweis pathologischer Darmkeime und normales Calprotectin im Stuhl. Das Spektrum der Diagnostik, die man weiterführen kann ist jedoch enorm groß. Vor allem Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien stehen dabei im Vordergrund. Laut Artikel finden sich bei 50–70 % der Patienten mit sogenanntem Reizdarmsyndrom Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Dass man diese nachweisen kann, diese der Auslöser der Beschwerden und eine adäquate Therapie zu deren Linderung führen könnte, wird ignoriert und eine Diagnostik sogar ausdrücklich nicht empfohlen. Eine extrem häufige Histaminose (abzugrenzen von einer wirklichen Histaminintoleranz) wird leider nicht erwähnt. Auch die Therapieempfehlungen sind rein symptomatisch, obwohl man sehr gute kausale Therapieansätze bei entsprechenden Befunden hat. Meiner Meinung nach könnte man vielen Patienten große Linderung verschaffen, indem man vielleicht mal über den Tellerrand hinausschaut und eine adäquate und sinnvolle Stuhldiagnostik betreibt, wenn auch erst im zweiten Schritt.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0447c

Dr. med. Eduard Rosler

Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, Marienhospital Stuttgart
 eduardrosler@vinzenz.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Häuser W, Layer P, Henningsen P, Kruis W: Functional bowel disorders in adults. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(5): 83–94. VOLLTEXT
1.Häuser W, Layer P, Henningsen P, Kruis W: Functional bowel disorders in adults. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(5): 83–94. VOLLTEXT

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