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Wir danken den Autoren der Leserbriefe für ihre Hinweise und Kritiken, die uns erlauben, die wichtigsten der angesprochenen Punkte ausführlicher zu erläutern. Wir wurden um einen Übersichtsartikel gebeten, der dem praktischen Arzt die Grundzüge der Höhenmedizin vermittelt und nicht um einen systematischen Review, der bei dem zur Verfügung stehenden Platz nicht zu bewerkstelligen wäre. Unsere Empfehlungen beruhen auf methodisch einwandfreien Studien und bei ungenügender Datenlage auf Expertenmeinungen, die referenziert wurden.

Die Empfehlung einer fixen Grenze von drei Monaten nach akuten Ereignissen wie Myokardinfarkt, Schlaganfall, Thromboembolie oder nach ICD-Implantation ist kritisiert worden. Unsere Empfehlung wird von Kardiologen mit Expertise in Höhenmedizin geteilt (1). Diese Expertenmeinung halten wir für ein nicht-spezialisiertes Zielpublikum für sinnvoll. Man kann diskutieren, ob in ausgewählten Fällen die Latenzzeit kürzer sein kann, wenn die Bedingungen, welche für einen Aufenthalt zwischen 2 000 und 3 000 m vorausgesetzt werden (Kasten), erfüllt sind. Selbstverständlich werden diese Voraussetzungen, wie die Leserbriefautoren hervorheben, durch Art und Schwere der Erkrankung bestimmt.

Bei der Kritik am Migränevergleich haben Küpper et al. wohl übersehen, dass wir uns auf akute Bergkrankheit (ABK) und nicht auf Kopfschmerzen beziehen. Bei ABK werden die Kopfschmerzen häufig durch Anstrengung verstärkt, es bestehen oft Übelkeit und Erbrechen. Dies wird bestätigt durch eine Untersuchung an 1 285 Bergsteigern mittels Kieler Kopfschmerzfragebogen. Bei ausgeprägter ABK in 4 559 m waren in 65 % der Fälle die Diagnosekriterien für Migräne erfüllt (2).

Wir dürfen Küpper et al. darauf hinweisen, dass alle „Protokollabweichungen“ in unserer Publikation (Referenz 2 ihres Leserbriefs) ausführlich erwähnt werden – einen Einfluss auf das negative Ergebnis hatten sie nicht. Wir halten es für sehr unwahrscheinlich, dass durch wiederholte kurzzeitige Hypoxieexpositionen, wie sie heute von Fitnessstudios angeboten werden, eine klinisch relevante ABK-Prävention bei raschem Aufstieg in Höhen > 4 000 m erreicht werden kann.

Die von Küpper et al. zitierte Studie (Referenz 3 ihres Leserbriefs) zur ABK-Prophylaxe mit 2 × 125 mg Acetazolamid wurde in einem hoch selektionierten Kollektiv mit niedrigem ABK-Risiko während eines Trekkings in 4 200 bis 4 900 m durchgeführt. Eine Generalisierung der Ergebnisse über dieses spezielle Setting hinaus ist unmöglich, zumal eine Metaanalyse (3) und eine Studie am Kilimandscharo (4) sogar die Wirksamkeit von 2 × 250 mg in Frage stellen. Wir empfehlen deshalb weiterhin 2 × 250 mg für nichtakklimatisierte Tieflandbewohner, die rasch in Höhen > 4 000 m aufsteigen müssen oder wollen.

Abschließend dürfen wir darauf hinweisen, dass Tadalafil auch von den Experten, die Küpper et al. zitieren (Referenz 1 ihres Leserbriefes), zur Prävention des Höhenlungenödems empfohlen wird und dass wir nicht der Meinung sind, dass Nifedipin und Dexamethason in den Rucksack jedes Bergsteigers gehören. Diese Medikamente sollen nur an Bergsteiger abgegeben werden, die auf Grund Ihrer Anamnese einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind, entsprechend geschult wurden und verantwortungsvoll damit umgehen können.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0446

Prof. Dr. med. Peter Bärtsch

Dr. med. Kai Schommer

Medizinische Universitätsklinik Heidelberg

Innere Medizin VII: Sportmedizin

kai.schommer@med.uni-heidelberg.de

Interessenkonflikt

Dr. Schommer erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Prof. Bärtsch wurde für Vorträge von den Firmen Boehringer Ingelheim und MSD honoriert. Ferner bekam er Sachmittel und Geräte für Forschungsprojekte von den Firmen Geratherm, Actelion, Lilly, Boehringer Ingelheim und Viasys.

1.
Rimoldi SF, Sartori C, Seiler C, et al.: High-altitude exposure in patients with cardiovascular disease: risk assessment and practical recommendations. Prog Cardiovasc Dis 2010; 52: 512–24. CrossRef MEDLINE
2.
Schneider M, Bernasch D, Weymann J, Bärtsch P: Characteristics of high altitude headache. High Alt Med Biol 2002; 3: 100. MEDLINE
3.
Dumont L, Mardirosoff C, Tramèr MR: Efficacy and harm of pharmacological prevention of acute mountain sickness: quantitative systematic review. BMJ 2000; 321: 267–72. CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Kayser B, Hulsebosch R, Bosch F: Low-dose acetylsalicylic acid analog and acetazolamide for prevention of acute mountain sickness. High Alt Med Biol 2008; 9: 15–23. CrossRef MEDLINE
5.
Schommer K, Bärtsch P: Basic medical advice for travelers to high altitudes. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(49): 839–48. VOLLTEXT
1. Rimoldi SF, Sartori C, Seiler C, et al.: High-altitude exposure in patients with cardiovascular disease: risk assessment and practical recommendations. Prog Cardiovasc Dis 2010; 52: 512–24. CrossRef MEDLINE
2. Schneider M, Bernasch D, Weymann J, Bärtsch P: Characteristics of high altitude headache. High Alt Med Biol 2002; 3: 100. MEDLINE
3. Dumont L, Mardirosoff C, Tramèr MR: Efficacy and harm of pharmacological prevention of acute mountain sickness: quantitative systematic review. BMJ 2000; 321: 267–72. CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Kayser B, Hulsebosch R, Bosch F: Low-dose acetylsalicylic acid analog and acetazolamide for prevention of acute mountain sickness. High Alt Med Biol 2008; 9: 15–23. CrossRef MEDLINE
5. Schommer K, Bärtsch P: Basic medical advice for travelers to high altitudes. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(49): 839–48. VOLLTEXT

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