ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2012Rückenschmerz: Wichtige Informationen und Denkanstöße

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Rückenschmerz: Wichtige Informationen und Denkanstöße

Dtsch Arztebl 2012; 109(25): A-1324 / B-1148 / C-1128

Kladny, Bernd

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Aufgrund der hohen Prävalenz und der enormen sozioökonomischen Bedeutung von Rückenschmerzen wurde eine Nationale VersorgungsLeitlinie für den sogenannten nichtspezifischen Kreuzschmerz unter Beteiligung zahlreicher Fachgesellschaften erarbeitet und im Jahr 2011 publiziert. Das Buch ist nun keine Wiedergabe dieser Leitlinie, wie der Untertitel zunächst vielleicht vermuten lässt. Der Bogen spannt sich von der Epidemiologie, sozioökonomischen Aspekten, Anatomie und Pathomorphologie über Psyche und Psychosomatik sowie klinische und apparative Diagnostik bis hin zur einfachen monomodalen Therapie und zu komplexen multimodalen interdisziplinären Therapieprogrammen und deren Wertung. Die Interdisziplinarität stellt eindeutig eine große Stärke des Buches dar.

Das Buch setzt sich mit dem Problem der Abgrenzung von spezifischen und nichtspezifischen Rückenschmerzen und deren Differenzialtherapie auseinander. Es mag in der Natur der Sache und dem aktuellen Stand des Wissens begründet liegen, dass dabei viele Fragen nach wie vor offenbleiben. In der Grundkonzeption bleibt es diesbezüglich etwas widersprüchlich, da zum einen sehr ausführlich pathomorphologische Veränderungen und Krankheitsbilder dargestellt werden, die aber andererseits wieder bedeutungslos für das Rückenschmerzsyndrom sein sollen. Das Buch fokussiert auf den nichtspezifischen Rückenschmerz und kann die Sichtweise des Nicht-Orthopäden nicht verbergen.

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Das Buch überzeugt nicht nur durch die sehr gute Übersichtlichkeit, sondern auch durch sinnvolle Bebilderung, Grafiken, Tabellen und Zusammenfassungen. Wesentliche Inhalte der Nationalen Versorgungs-Leitlinie Kreuzschmerz sind an den passenden Stellen eingearbeitet, ohne eine banale Wiederholung zu sein. Die Ausführungen hinsichtlich spezifischer Ursachen und vor allem deren Wertung mögen aus orthopädischer Sicht nicht ganz überzeugend sein.

Das Buch erhebt aber auch nicht den Anspruch eines orthopädischen Lehrbuchs. Das richtige Maß zwischen einem Zuwenig und Zuviel an Diagnostik und Therapie zu finden, stellt unverändert eine große Herausforderung dar, ebenso wie die Differenzierung zwischen spezifisch und nichtspezifisch und zwischen harmlos und schwerwiegend. Das Buch gibt hierzu wichtige Informationen, Anregungen und Denkanstöße. Bernd Kladny

Jan Hildebrandt, Michael Pfingsten (Hrsg): Rückenschmerz und Lendenwirbelsäule. Interdisziplinäres Praxisbuch entsprechend der Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz. 2. Auflage, Elsevier Urban & Fischer, München 2012, 478 Seiten, gebunden, 89,95 Euro

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