ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2012Pflegeheime: Krankenkassen in der Pflicht
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Wie in dem Artikel sehr gut und praxisnah dargestellt, gibt es bundesweit viele Projekte, um die Versorgung der Menschen in Alten- und Pflegeheimen zu verbessern. Ziel ist es dabei, unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden. Dies gelingt am besten durch feste ärztliche Ansprechpartner, die die Patienten kennen, regelmäßige Visiten, gegenseitige Vertretung und einen engen Austausch zwischen Ärzten und Pflegekräften. Wir haben dies im Rahmen der KV-Initiative Pflegeheim aufgegriffen. Bei dem nun geplanten Pflege-Neuausrichtungsgesetz fehlt mir allerdings leider die Pflicht der Krankenkassen, eine bessere Heimversorgung auch zu finanzieren. Zudem ist unklar, welche regionalen Spielräume es künftig geben wird, um erfolgversprechende Projekte langfristig fortführen und ausbauen zu können.

Klar ist, dass den Ärzten durch die geplante Änderung des § 119 b SGB V ein Mehraufwand entsteht. Dies lässt sich anhand der Erfahrungen aus den bereits laufenden Projekten belegen: Durch die abgestimmten Visitenzeiten und Bereitschaftsdienste erhöht sich die Zahl der (präventiven) Besuche im Heim. Für die Kolleginnen und Kollegen, die in den Heimen tätig sind, steigt damit auch der Aufwand, den eigenen Praxisbetrieb öfter zu verlassen und außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten zur Verfügung zu stehen.

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Der Abstimmungsbedarf der Ärzte in einer Verbundlösung in einem Heim ist ungleich höher als in der Regelversorgung. Denn die Pflegeheime in Deutschland haben im Schnitt zwischen 70 und 80 multimorbide Bewohner, die sich oft selbst nicht mehr zu ihren Symptomen äußern können. Umso wichtiger ist es, dass die Ärzte gut abgestimmt sind und dass durch Rufbereitschaften eine zeitnahe Verfügbarkeit sichergestellt ist.

Die Krankenkassen stehen aus meiner Sicht in der Pflicht, diesen Mehraufwand auch extrabudgetär zu vergüten. Dafür können sie auch potenzielle Einsparungen von vielen Hundert Millionen Euro pro Jahr bei Notarzteinsätzen, Kranken­haus­auf­enthalten und -transporten erzielen. Per Gesetz muss eine Pflicht für die Krankenkassen festgeschrieben werden, dass diese die Einsparungen quantifizieren und die erzielten Einsparungen nicht auf die hohe Kante legen, sondern für die medizinische Versorgung ihrer Versicherten in Pflegeheimen zur Verfügung stellen.

Dass alle Pflegeheimpatienten gleich betreut werden – unabhängig davon, bei welcher Krankenkasse sie versichert sind –, kann man durch bundesweit gültige Vorgaben regeln. Um allerdings den regionalen Gegebenheiten Rechnung tragen zu können, müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen entsprechende Möglichkeiten für die konkrete Ausgestaltung der Versorgung erhalten. Sie kennen die Versorgungssituation vor Ort, können regional Einfluss nehmen und – sofern notwendig – individuelle Lösungen schaffen.

Dr. med. Wolfgang Krombholz, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung
Bayerns, 80687 München

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