ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2012Trimethoprim/Sulfamethoxazol: Erhöhtes Risiko für akute Nierenfunktionsstörungen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Trimethoprim/Sulfamethoxazol: Erhöhtes Risiko für akute Nierenfunktionsstörungen

Dtsch Arztebl 2012; 109(25): A-1319 / B-1142 / C-1122

Heinzl, Susanne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Trimethoprim/Sulfamethoxazol (Cotrimoxazol) wird häufig zur Behandlung von unkomplizierten Harnwegsinfekten sowie Haut- und Weichgewebeinfektionen angewandt. Die renale Toxizität wurde in Fallberichten und Fallserien beschrieben: Erhöhungen des Serumkreatinins, Hyperkaliämien und akute tubuläre Nekrosen. Bislang aber lagen keine systematischen, populationsbasierten Untersuchungen zur Inzidenz und Schwere einer akuten Nierenfunktionsstörung vor.

Am Michael E. DeBakey Veterans Affairs Medical Center in Houston wurden nun retrospektiv die Krankenakten aller stationären Patienten ausgewertet, die in einem Zeitraum von 3 Jahren für mindestens 6 Tage Cotrimoxazol erhalten hatten und für die Ausgangswerte und Verlaufskontrollen von Serumkreatinin und Harnstoff-Stickstoff im Blut (BUN) verfügbar waren. Eine akute Nierenfunktionsstörung war bei Patienten ohne chronische Nierenerkrankung durch einen absoluten Anstieg des Serumkreatininwerts um mindestens 0,3 mg/dl vom Basiswert, eine prozentuale Zunahme der Serumkreatininkonzentration um mindestens 50 % oder eine Oligurie mit höchstens 0,5 ml Urinausscheidung pro kg Körpergewicht in der Stunde über mehr als sechs Stunden definiert. Weil Cotrimoxazol die tubuläre Sekretion von Kreatinin ohne Einschränkung der glomerulären Filtration verringert, musste für die Diagnose eines akuten Nierenversagens zusätzlich bei zuvor normaler Nierenfunktion ein Anstieg des BUN-Werts von 10 mg/dl vorliegen, bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung von mindestens 50 %. Die Vergleichsgruppe von Patienten hatte im selben Zeitraum wegen Haut- und Weichgewebeinfektionen Clindamycin erhalten.

Bei 64 von 573 Patienten (11,2 %), die die Einschlusskriterien erfüllten, kam es zum Anstieg des Serumkreatinin- und des BUN-Werts. Ein Zusammenhang zu Cotrimoxazol wurde bei 33 Patienten (5,8 %) als sehr wahrscheinlich, bei 28 Patienten (4,9 %) als möglich beurteilt. In 3 Fällen gab es keine Assoziation zwischen Nierenfunktionsstörung und Cotrimoxazol. In fast allen Fällen besserte sich die Nierenfunktion nach Absetzen der antibiotischen Therapie, ein Patient musste dialysiert werden. Bei Hypertonie und Diabetes mellitus war das Risiko für Nierenfunktionsstörungen erhöht, vor allem bei schlecht kontrollierter Erkrankung. In der Kontrollgruppe (Clindamycin) entwickelte sich keine akute Nierenfunktionsstörung.

Nierenfunktionsstörungen unter Cotrimoxazol traten nach durchschnittlich 8 Therapietagen auf. Die Autoren raten, Kreatinin- und Blutharnstoffwerte nach der ersten Woche zu prüfen. Steigen sie akut, sollte die Medikation abgesetzt werden. Normalisiert sich die Nierenfunktion darauf nicht binnen eines Monats, sind vermutlich andere Faktoren ursächlich.

Fazit: Cotrimoxazol kann bei hospitalisierten Patienten bei einer Therapie für 6 Tage das Risiko für eine akute Nierenfunktionsstörung erhöhen. Bei Therapieabbruch normalisiert sich die Nierenfunktion wieder. Nach Meinung von Prof. Dr. med. Kurt Naber, Straubing, fehlt in der Studie ein Hinweis, ob für die nephrotoxische Wirkung der Trimethoprim- oder eher der Sulfonamidanteil verantwortlich sei. Es müsse daher neu diskutiert werden, ob nicht generell Trimethoprim besser als Monotherapie angewandt werden sollte und wann die Kombination mit einem Sulfonamid überhaupt sinnvoll sei. Für die Behandlung von Harnwegsinfekten scheine Trimethoprim allein ausreichend zu sein. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Fraser TN, et al.: Acute kidney injury associated with trimethoprim/sulfamethoxazole. J Antimicrob Chemother 2012; 67: 1271–7. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema