ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2012Randnotiz: Wo sind die Vorbilder?

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Randnotiz: Wo sind die Vorbilder?

Dtsch Arztebl 2012; 109(25): A-1293 / B-1117 / C-1101

Hibbeler, Birgit

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Frauen halten sich zurück. Sie reden nur, wenn sie gefragt werden. Sie halten ihrem Mann den Rücken frei und sorgen vor allem dafür, dass es der Familie und den Kindern gut geht. Weibliche Stärken liegen im Zwischenmenschlichen.

Alles alte Klischees aus längst vergangenen Zeiten? Nicht so ganz. Theoretisch stehen Frauen zwar alle Türen offen, doch man hat den Eindruck: Sie wollen nicht so recht. Das gilt auch für Medizinerinnen, wie Ergebnisse des Projekts „Karriereverläufe von Ärztinnen und Ärzten während der fachärztlichen Weiterbildung“ zeigen (Dtsch Med Wochenschr 2012; 137: 1242–7).

„Frauen streben signifikant häufiger keine Führungsposition an“, sagte Studienleiter Prof. Dr. Hendrik van den Bussche, beim Medizinischen Fakultätentag (MFT) in Göttingen. Auch bei der Fächerwahl gibt es Unterschiede. Chirurgie und Orthopädie sind bei Medizinerinnen nicht sonderlich beliebt. Was Ärztinnen wollen? Gynäkologie oder Kinderheilkunde – aber bitte Teilzeit.

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Traditionelle Rollenverteilungen leben weiter. Frauen leisten immer noch einen Großteil der „Familienarbeit“. Hinzu kommt: Frauen in Spitzenpositionen sind selten. So fehlt es jungen Ärztinnen an weiblichen Vorbildern. Darauf wies die Berliner Dekanin Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich beim MFT hin. Das sei ein nicht zu unterschätzendes psychologisches Moment.

Wer nach oben will, braucht jemanden, der ihn fördert. Dabei spielt auch Sympathie eine Rolle, und die entsteht häufig, wenn man sich ähnlich ist. Es gilt: „If you are like each other, you like each other.“ Solange an der Spitze Männer dominieren, darf man die Förderung von Frauen nicht dem Zufall überlassen.

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