ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2012Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen: Hohe Akzeptanz des Verfahrens

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Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen: Hohe Akzeptanz des Verfahrens

Dtsch Arztebl 2012; 109(25): A-1299 / B-1123 / C-1107

Gerst, Thomas

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Art und Häufigkeit ärztlicher Behandlungsfehler werden von den Gutachter- kommissionen und Schlichtungsstellen statistisch erfasst. Die Ursachenanalyse soll es den Ärzten ermöglichen, Strategien zur Fehlervermeidung zu entwickeln.

Die Werte können sich sehen lassen: Circa ein Viertel aller vermuteten Arzthaftungsfälle wird durch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern beurteilt. In etwa 90 Prozent der Fälle werden die Entscheidungen dieser Einrichtungen nach Anrufung durch die Patienten von beiden Parteien akzeptiert und die Arzthaftungsstreitigkeiten beigelegt. In den Fällen, in denen gleichwohl der Rechtsweg beschritten wird, werden die Gutachten der Kommissionen zumeist bestätigt.

Seit 2006 werden die Daten aus den Verfahren bei den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen mit Hilfe des Medical-ErrorReporting-Systems einheitlich erfasst und in einer Bundesstatistik zusammengeführt. Diese gibt genaue Auskunft darüber, wie hoch der Anteil der von den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen als berechtigt angesehenen Patientenbeschwerden war und in welchen Bereichen es besonders häufig zu Schädigungen kam. Die Ergebnisse für das Jahr 2011 wurden am 19. Juni von der Bundes­ärzte­kammer der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Im vergangenen Jahr trafen die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen insgesamt 7 452 Sachentscheidungen zu Behandlungsfehlervorwürfen. In 2 241 Fällen wurde ein Behandlungsfehler bejaht. Darunter waren 1 901 Fälle, bei denen ein Behandlungsfehler respektive ein Risikoaufklärungsmangel ursächlich für einen Gesundheitsschaden waren. Die Statistik verzeichnet auch die Schwere des durch einen Behandlungsfehler hervorgerufenen Gesundheitsschadens. Von den 1 901 Fehlern führten 64 zu einem Bagatellschaden, 740 zu einem vorübergehenden leichten/mittleren Schaden, 277 zu einem passager schweren Schaden, 525 zu einem leicht/mittleren Dauerschaden, 196 zu einem schweren Dauerschaden und 99 zum Tod.

„Kommt es zu einem Behandlungsfehler, hilft den betroffenen Patientinnen und Patienten kein Verweis auf die Statistik, wohl aber die Durchsetzung ihres Rechts auf Schadensersatz“, betonte Dr. med. Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, bei der Vorstellung der Daten. Für die Betroffenen sei es wichtig, eine unabhängige Einrichtung zu haben, an die man sich auf dem Wege der außergerichtlichen Streitschlichtung wenden kann, um einen Behandlungsfehlervorwurf gebührenfrei überprüfen zu lassen. Offenbar wird die Unabhängigkeit des Verfahrens von den Patienten anerkannt. Jedenfalls steigt die Zahl der Anträge bei den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen seit 2007 kontinuierlich, obgleich deutlich mehr Behandlungsfehler verneint als anerkannt werden.

„Die Ärzteschaft ihrerseits ist bemüht, Fehler systematisch aufzuarbeiten und Fehlervermeidungsstrategien zu entwerfen“, sagte Crusius. Die von der Bundes­ärzte­kammer vorgestellte Statistik soll dazu dienen, Fehlerhäufigkeiten zu erkennen und -ursachen auszuwerten, um sie für die Fortbildung und Qualitätssicherung zu nutzen. Die am häufigsten von einem Begutachtungsantrag betroffenen Fachgebiete sind sowohl im Krankenhaus als auch im niedergelassenen Bereich die Unfallchirurgie/Orthopädie (1 977/573 Fälle). Darauf folgen die Allgemeinchirurgie (1 003/243 Fälle), die Innere Medizin (461/201 Fälle) und die Frauenheilkunde (394/152 Fälle).

Thomas Gerst

@Die Daten der statistischen Erhebung unter www.aerzteblatt.de/121299

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