ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2012Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: Tyrosinkinaseinhibitor als Erstlinientherapie bei mutiertem EGFR-Gen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: Tyrosinkinaseinhibitor als Erstlinientherapie bei mutiertem EGFR-Gen

Dtsch Arztebl 2012; 109(25): A-1319 / B-1142 / C-1122

Gulden, Josef

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Bei jedem zehnten nichtkleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) spielen Mutationen im Gen des Rezeptors für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR) eine Rolle. Dass EGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) wie Erlotinib oder Gefitinib bei diesen Patienten wirksamer sind als eine Standard-Erstlinien-Chemotherapie, wurde bei asiatischen Patienten belegt. Die EURTAC*-Studie weist dies nun auch für kaukasische Patienten nach.

An 42 Kliniken in Spanien, Frankreich und Italien wurden Patienten mit EGFR-Gen-Mutation 1 : 1 randomisiert: 150 mg Erlotinib pro Tag oder eine platinbasierte Standard-Chemotherapie. Nach einer Interimsanalyse der Daten von 174 Patienten wurde die Rekrutierung abgeschlossen, weil der primäre Endpunkt bereits erreicht war: Beim progressionsfreien Überleben war Erlotinib mit median 9,7 Monaten (95-%-KI 8,4–12,3) der Chemotherapie mit median 5,2 Monaten (95-%-KI 4,5–5,8) hochsignifikant überlegen (Hazard Ratio 0,37; 95-%-KI 0,25–0,54; p < 0,0001). Bei den Grad-3/4-Toxizitäten überwogen bei Erlotinib Hautausschläge (13 % vs. 0 %), bei der Chemotherapie Neutropenie (22 % vs. 0 %) und Anämie (4 % vs. 1 %). 5 Patienten der Erlotinib-Gruppe (6 %) hatten behandlungsbedingte schwere Nebenwirkungen gegenüber 16 Patienten unter Chemotherapie (20 %). Ein Todesfall in der Erlotinib- und zwei in der Chemotherapie-Gruppe waren therapieverursacht.

Fazit: Werden bei NSCLC Mutationen im EGFR-Gen festgestellt, sollten Patienten als Erstlinientherapie einen EGFR-TKI (Erlotinib, Gefitinib) erhalten, da diese Substanzen eine bessere Wirksamkeit, Verträglichkeit und symptomatische Wirksamkeit (Lebensqualität, Symptomreduktion) haben als die Standard-Chemotherapie, folgert Priv.-Doz. Dr. med. Martin Reck, Großhansdorf, aus den Daten der EURTAC-Studie. Bei NSCLC müsse künftig routinemäßig auf EGFR-Gen-Mutationen getestet werden. Diese Analyse sei in Deutschland beim nichtplattenepithelialen NSCLC inzwischen Standard und werde von zertifizierten Pathologen flächendeckend angeboten. Entscheidend für einen zeitgerechten Therapiebeginn sei eine adäquate Testdauer. Im stationären Bereich machten die Kosten Probleme, weil die Krankenkassen sie nicht separat erstatteten, sondern im Rahmen der DRG verrechnet sehen wollten. Josef Gulden

Rosell R, et al.: Erlotinib versus standard chemotherapy as first-line treatment for European patients with advanced EGFR mutation-positive non-small-cell lung cancer (EURTAC): a multicentre, open-label, randomised phase 3 trial. Lancet Oncol 2012; 13: 239–46. MEDLINE

*European Tarceva versus Chemotherapy

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