ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2012Arzneiverordnungssoftware: Neue Anforderungen

TECHNIK

Arzneiverordnungssoftware: Neue Anforderungen

Dtsch Arztebl 2012; 109(25): A-1332

Krüger-Brand, Heike E.

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Ab Juli 2012 gelten neue gesetzliche Regelungen für Software zur Arzneimittelverordnung. Die wesentlichen Änderungen im Überblick

Die Anbieter von Arzneiverordnungssoftware müssen bis zum Stichtag 1. Juli 2012 ihre Produkte überarbeiten und von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Rahmen der Rezertifizierung prüfen lassen. Basis hierfür ist ein Anforderungskatalog, den die KBV gemeinsam mit dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen erarbeitet hat, um die Vorgaben des Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetzes aus dem Jahr 2006 zu erfüllen. Danach dürfen Ärzte nur noch Softwareprodukte einsetzen, die eine manipulationsfreie Verordnung ermöglichen. Außerdem sollen neue elektronische Funktionen die Ärzte darin unterstützen, wirtschaftlicher zu verordnen und Regresse zu vermeiden.

Mehr Informationen und spezielle Funktionen

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So muss die verwendete Software künftig bei Präparaten beispielsweise auf Verordnungseinschränkungen und Verordnungsausschlüsse gemäß der Arzneimittel-Richtlinie hinweisen und auch die neue Packungsgrößenverordnung berücksichtigen. Die Hinweise müssen dabei vollständig im System hinterlegt sein. Sie erscheinen aber nicht mehr als lästige Pop-up-Fenster, die der Arzt wegklicken muss, sondern er kann diese Funktion auch abschalten und nur bei Bedarf Infos abrufen. Hinweise auf OTC-Präparate, die nicht zulasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung verordnet werden können, werden erst bei Patienten ab zwölf Jahren angezeigt.

Die in der Arztpraxis verwendeten Softwareprodukte sollen eine manipulationsfreie und wirtschaftliche Verordnung von Arzneimitteln ermöglichen. Foto: Fotolia/Dron
Die in der Arztpraxis verwendeten Softwareprodukte sollen eine manipulationsfreie und wirtschaftliche Verordnung von Arzneimitteln ermöglichen. Foto: Fotolia/Dron

Darüber hinaus wurden die Werbemöglichkeiten in der Software weiter eingeschränkt. So ist Werbung nur noch in Form von deutlich gekennzeichneten Werbefenstern zulässig, die von fachlichen Inhalten und dem Verordnungsvorgang getrennt sind. Aut-idem-Einstellungen sind nur noch in bestimmten, medizinisch begründeten Fällen erlaubt. Dann allerdings lässt sich ein Aut-idem-Kreuz auch in der Patientenhistorie speichern, so dass es bei einer Folgeverordnung automatisch auf dem Rezept erscheint.

Mit sogenannten Tagesfreischaltungen konnten in der Vergangenheit Produkte von sponsernden Herstellern sofort freigeschaltet werden, andere Medikamente mit demselben Wirkstoff dagegen erst mit dem nächsten Update. Künftig muss stets der Gesamtdatenbestand in der Software aktualisiert werden, um einen manipulationsfreien Preisvergleich zu ermöglichen. Grundsätzlich kann der Arzt aber mit einer Wirkstoffverordnung sicherstellen, dass der Patient in der Apotheke gegebenenfalls Generika erhält.

Die Arzneiverordnungssoftware muss zudem Informationen zu Rabattverträgen enthalten und zusätzlich angeben, ob ein substitutionsfähiges rabattiertes Arzneimittel existiert. Die Preise für die Medikamente sind dabei nicht sichtbar.

Auch bei der Rezeptbedruckung gibt es Änderungen: So sind unter anderem bestimmte Angaben, wie etwa „kein aut idem“ oder Verordnungsbegründungen, nicht mehr erlaubt. Bei aut idem darf zusätzlich die Pharmazentralnummer auf das Rezept gedruckt werden. Ebenso sind jetzt Mengenangaben auf dem Rezept möglich.

Softwarehäuser müssen grundsätzlich auch werbefreie Versionen ihrer Produkte anbieten. Nach Meinung von Experten könnten sich dadurch, ebenso wie durch die generelle Einschränkung der Werbemöglichkeiten, die Preise für Praxissoftware und Arzneimitteldatenbanken erhöhen, da Einnahmen aus der Werbung für die IT-Hersteller wegfallen.

Geplant ist außerdem, Verbandsstoffe, Teststreifen und bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung ebenfalls in den Anforderungskatalog aufzunehmen, damit auch zu diesen Produkten elektronische Informationen abrufbar sind. Hierfür ist allerdings erst noch eine Gesetzesänderung erforderlich.

Keine Unterbrechung des Workflows

Befürchtungen mancher Ärzte, dass sich das Softwareupdate nachteilig auf eingespielte Prozesse bei der Verordnung auswirken könnte, hält die KBV entgegen, dass nach dem Anforderungskatalog der Workflow nicht unterbrochen werden darf. Wie anwenderfreundlich dies umgesetzt wird, hängt letztlich jedoch vom jeweiligen Softwarehaus ab. Einige Softwarehersteller hätten bereits mitgeteilt, dass die neuen Vorgaben keinen zusätzlichen Speicherplatz und auch keine größere Rechnerleistung erforderten, heißt es bei der KBV. Zudem berate man die Softwarehäuser intensiv.

Heike E. Krüger-Brand

@Informationen der KBV: www.kbv.de/41376.html

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