ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1996Impfschutz bei Frauen unzureichend: Gynäkologen können Lücke schließen

SPEKTRUM: Akut

Impfschutz bei Frauen unzureichend: Gynäkologen können Lücke schließen

Gabler-Sandberger, Elisabeth

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LNSLNS Mit der Hoffnung, durch Impfungen im Kindesalter einen lebenslangen Immunschutz erhalten zu haben, vernachlässigt ein erheblicher Teil der Erwachsenen wichtige Standard-Impfungen wie Diphtherie, Tetanus und Polio, Masern, Mumps und Röteln. Bei Frauen sind die Impflücken noch ausgeprägter als bei Männern. In Rahmen einer Studie des Nationalen Referenzzentrums bestimmte Antikörpertiter gegen Diphtherie lassen darauf schließen, daß 50 Prozent der erwachsenen Frauen und 30 Prozent der 16- bis 20jährigen keinen ausreichenden Impfschutz haben. Bei Frauen ab 30 Jahren besteht in 30 Prozent der Fälle keine Immunität gegen Tetanus. 30 Prozent aller Erwachsenen sind nicht gegen Polio geschützt. Bei Impfungen gegen Masern und Mumps wird die Erstimpfung bei 70 Prozent der Kinder, die Zweitimpfung aber nur bei zehn bis 15 Prozent vorgenommen.


Vor allem bei Kinderwunsch sind rechtzeitige Impfungen empfehlenswert. Der Impfschutz der Frau sichert nicht nur Immunität gegen zum Teil mit schweren Fehlbildungen und Frühgeburtlichkeit belastete Infektionen während der Schwangerschaft. Auch beim Kind ist der passive Schutz durch transplazentar übertragene mütterliche Antikörper entscheidend für die ersten Lebensmonate bis zum Ausreifen des eigenen Immunsystems. Unter dem Motto "Baby vielleicht ... Impfung bestimmt" unterstützen die Behringwerke Ärzte und Patientinnen in der Aufklärung und Motivation zur Impfung. Niedergelassene Frauenärzte sind aufgerufen, die Chancen zu nutzen, die sich durch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen der gesunden jungen Mädchen und Frauen bieten, den Impfstatus anhand des Impfbuches zu überprüfen und nach Ausschluß von Kontraindikationen die Impflücken auszugleichen.


Angesichts 500 000 gesicherter HBV-Ag-Träger in der Bundesrepublik wurde die überwiegend sexuell übertragene Hepatitis B in das Screening der Schwangerenvorsorge aufgenommen. Um die Infektion bereits zu einem frühen Zeitpunkt zu verhüten, kam eine Gruppe von Vertretern der Berufsverbände der Frauenärzte, Pädiater und KVen im November 1995 überein, die Hepatitis-B-Impfung grundsätzlich bei Jugendlichen ab dem 16. Lebensjahr zu empfehlen. Eine verbindliche Empfehlung der Ständigen Impfkommission liegt allerdings nur für definierte Risikogruppen vor. Nur wenige Frauenärzte haben bisher ihre Impfaktivitäten über die Rötelnimpfung hinaus erweitert. Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigungen ist selbstverständlich jeder Arzt berechtigt, die üblichen Impfungen durchzuführen. Dr. med. Elisabeth Gabler-Sandberger

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