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Was ist notwendig? Was ist überflüssig? Jeder Dritte erlebt einmal eine Synkope. Abzugrenzen sind andere Ursachen eines kurzzeitigen Bewusstseinsverlustes: Hirnstammischämien, epileptische Anfälle, metabolische Ursachen, dissoziative Anfälle (1). Auch Sturzattacken ohne Bewusstseinsverlust („drop attacks“) zählen nicht zu den Synkopen. Im Englischen hat sich der Begriff „transient loss of consciousness“ durchgesetzt. Bei den neurogenen Synkopen werden die neurokardiogenen Synkopen, die orthostatische Hypotension und das posturale Tachykardiesyndrom unterschieden (2). Abzugrenzen sind die kardiogenen Synkopen und die Hyperventilationssynkopen. Die unkritische Einteilung von „Synkopenursachen“ in „neurologische Synkopen“ und „psychovegetative Synkope“ ist für den Neurologen unbefriedigend und fehlerhaft (3). Sprechen wir doch auch von „kardiogenen“ und nicht von der „kardiologischen Synkope“. Begriffe wie „psychovegetativ“ helfen nicht weiter. Vielmehr ist eine Klarheit der zu verwendenden Begriffe zu fordern, die dann auch eine an der Pathophysiologie orientierte diagnostische Zuordnung ermöglicht. Die Basisdiagnostik beinhaltet die Anamnese und Fremdanamnese, eine körperliche Untersuchung, ein 12-Kanal-EKG und einen Schellong-Test. Die einfache Messung der Blutdruckänderung im Liegen und Stehen ist dabei der hilfreichste Test, wurde aber in der Studie mit nur 14,5 % am seltensten durchgeführt. Der Aussage „die empfohlene Basisdiagnostik wird in der Notaufnahme bei nahezu allen Patienten durchgeführt“ fehlt die Grundlage. Neben einer präzisen Anamnese sind diese einfachen Untersuchungstechniken oft bereits wegweisend. Auf eine überflüssige Diagnostik wie etwa eine craniale Computertomographie (29 %) kann verzichtet werden. Pathologische Befunde in der apparativen Diagnostik erklären nicht die Synkope oder das Auftreten von „Endpunkten innerhalb von 30 Tagen“.

Die Autoren mutmaßen „die häufigere Durchführung eines Orthostasetests“ sei nur in einer spezialisierten „Synkopeneinheit“ möglich. Demgegenüber erscheint die Vermittlung von Kenntnissen über das vegetative Nervensystem bereits im Medizinstudium vielversprechender.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0475b

Prof. Dr. med. Carl-Albrecht Haensch

Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie der Universität Witten/Herdecke

Fakultät für Gesundheit, HELIOS Klinikum Wuppertal

carl-albrecht.haensch@helios-kliniken.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Haensch CA, Jost W: Das Autonome Nervensystem. Stuttgart: Kohlhammer-Verlag 2009; 394.
2.
Haensch CA, Isenmann S: Diagnostik der orthostatischen Intoleranz. Klin Neurophysiol 2011; 42: 123–32. CrossRef
3.
Güldner S, Langada V, Popp S, Heppner HJ, Mang H, Christ M: Patients with syncope in a German emergency department: description of patients and processes. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(4): 58–65. VOLLTEXT
1. Haensch CA, Jost W: Das Autonome Nervensystem. Stuttgart: Kohlhammer-Verlag 2009; 394.
2. Haensch CA, Isenmann S: Diagnostik der orthostatischen Intoleranz. Klin Neurophysiol 2011; 42: 123–32. CrossRef
3.Güldner S, Langada V, Popp S, Heppner HJ, Mang H, Christ M: Patients with syncope in a German emergency department: description of patients and processes. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(4): 58–65. VOLLTEXT

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