ArchivMedizin studieren3/2012Mündliches Examen: Kleine Typologie der Prüfer

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Mündliches Examen: Kleine Typologie der Prüfer

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 3/2012: 14

Protschka, Johanna

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Der Erfolg einer mündlichen Examensprüfung hängt natürlich einerseits vom Wissensstand des Prüflings, andererseits aber auch vom jeweiligen Prüfer ab. Wenn das Examen naht, dann stellt sich also auch die bange Frage: Wer wird mich prüfen, und was wird er fragen? Hier stellen wir ein paar Prüfertypen vor, wie sie in der „freien Uni-Wildbahn“ vorkommen könnten. Fest steht: Der Prüfling sollte sich auf einiges gefasst machen.

Der Zerstreute

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Bringt zur Prüfung die falschen Unterlagen mit und hat kurzfristig vergessen, zu welchen Fachgebieten er Fragen stellen wollte. Zieht nach langem Suchen ein Elektrokardiogramm mit Kaffeeflecken aus seiner Tasche und verlangt von den entsetzten Prüflingen eine Auswertung. Vorteil: Da der Prüfer selbst auf die Nachsicht seiner Umgebung angewiesen ist, kann auch der ängstliche Prüfling auf eine gute Note hoffen. Nachteil: Der Zerstreute hat die Namen der Prüflinge nicht im Kopf, so dass die Bewertung schnell zur Glückssache werden kann.

Der Gründliche

Erwartet von seinen Prüflingen Vollständigkeit und Korrektheit ohne Gnade. Er selbst hat für seine mündliche Examensprüfung täglich bis zu 24 Stunden gelernt und konnte sowohl den Gegenstandskatalog als auch die Quersumme aller erreichten Punkte seiner Klausurergebnisse auswendig aufsagen. Der Vorteil: Der Prüfling weiß genau, was ihn erwartet – nämlich alles. Der Nachteil: Auf Lücke lernen, geht gar nicht.

Der Kreative

In der Pharmakologie bleibt er bei den Erfahrungen der Prüflinge mit bewusstseinserweiternden Drogen hängen und verlangt eine Auflistung der Risiken und Nebenwirkungen. Wenn der Prüfling eine Antwort nicht weiß, fordert der Kreative dazu auf, eine Arbeitsgruppe mit dem Mitprüfling zu bilden und die richtige Antwort gemeinsam und assoziativ zu erarbeiten. Vorteil: Eventuelle Wissenslücken können überbrückt werden. Nachteil: Der Kreative ist unberechenbar.

Der Abenteurer

Bringt in Holzkästen gelagerte und nach Hautton sortierte Extremitäten mit in den Saal und lässt die Studenten zu Beginn der Prüfung das Sezierwerkzeug selbst löten. Gerne erzählt er von seiner Zeit im australischen Outback und der improvisierten Notoperation eines Rangers, der von einer Horde Skorpione angefallen wurde. Der Abenteurer liebt Prüflinge, die mit anpacken und eventuelle Sauereien selbst wegwischen. Der Vorteil: Der Prüfling kann mehr zeigen als nur Auswendiggelerntes. Der Nachteil: Wer auf allen Hygienevorschriften besteht, verspielt bei diesem Prüfer Sympathiepunkte.

Der Moderne

Hat seine Prüfungsfragen auf dem iPad vorbereitet. Er lässt die Prüflinge für die Anamnese mit einem virtuellen Patienten skypen und verlangt eine Diagnose per Röntgen-App. Mit Wissenslücken kann dieser Prüfer umgehen, solange der Prüfling schneller googeln als denken kann. Vorteil: Wer sich schon früh mit diesem Prüfer auf Facebook angefreundet hat, hat einen Bonus. Nachteil: Wer vergessen hat, dort die sichtbaren Bilder seiner letzten ausgiebigen Kneipentour zu entfernen, ist raus.

Johanna Protschka

Zeichnungen: Ralf Brunner

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