ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2012Randnotiz: Über-, Unter-, Fehlversorgung

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Randnotiz: Über-, Unter-, Fehlversorgung

Dtsch Arztebl 2012; 109(26): A-1347 / B-1167 / C-1147

Rieser, Sabine

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Zu viele Medikamente für alte Menschen, zu wenig Hausärzte in Mecklenburg, die falsche Klientel in Psychotherapeutenpraxen – wer Versorgungsprobleme anspricht, macht sich heute nicht automatisch unbeliebt. Eine Selbstverständlichkeit?

Nein, fand die ehemalige Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer kürzlich, als es um die Wirkungen des Gutachtens zu Über-, Unter- und Fehlversorgung ging, das der Sachverständigenrat vor gut zehn Jahren veröffentlichte: „Dass wir über Kategorien von Kosten und Nutzen reden, war früher fast undenkbar.“ Prof. Dr. Norbert Schmacke stimmte zu: „Es ist Teil eines kulturellen Wandels, dass das Reden über Stärken und Schwächen in der Medizin normal geworden ist.“

Damals bemängelte der Rat Qualifikations-, Organisations- und Systemprobleme der Versorgung: das graue Mammographiescreening, eine unzureichende Diabetikerversorgung, zu viel Diagnostik und zu wenig aktives Management bei Rückenschmerzpatienten, um nur wenige Beispiele zu nennen. Das ärgerte alle, die das System als vorbildlich einstuften und denen es als Beweis genügte, dass deutsche Urlauber im Krankheitsfall am liebsten gleich nach Hause wollten.

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Prof. Dr. Eberhard Wille, damals wie heute im Sachverständigenrat, sieht mehr als zehn Jahre nach dem Gutachten noch viel Verbesserungspotenzial. Aber auch die Einstellung der Versicherten könnte sich aus seiner Sicht noch ändern, und zwar hin zu mehr Sinn für Qualität. Wille lobte schließlich die zunehmende Patientenorientierung, forderte aber klare Worte zum künftigen Angebot: „Wir werden die derzeitige Besetzung, was Ärzte und Apotheker angeht, nicht durchhalten können.“

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