ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2012Margarete Mitscherlich-Nielsen †: Streitbar, mit Witz und Charme

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Margarete Mitscherlich-Nielsen †: Streitbar, mit Witz und Charme

Dtsch Arztebl 2012; 109(26): A-1385 / B-1199 / C-1179

Bühring, Petra

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Margarete Mitscherlich, Foto: dpa
Margarete Mitscherlich, Foto: dpa

Die Psychoanalytikerin Dr. med. Margarete Mitscherlich-Nielsen ist am 12. Juni kurz vor ihrem 95. Geburtstag im Kreis ihrer Familie in Frankfurt am Main gestorben. Die Autorin zahlreicher Bücher behandelte noch bis ins hohe Alter am Sigmund-Freud-Institut (SFI) in Frankfurt Patienten. Öffentlich bekannt wurde Margarete Mitscherlich 1967, als sie zusammen mit ihrem Mann, dem Psychoanalytiker Dr. med. Alexander Mitscherlich, das Buch „Die Unfähigkeit zu trauern“ schrieb. Darin untersuchten die beiden am Beispiel der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands und des Umgangs damit in der Adenauer-Ära die Abwehrhaltung gegenüber Schuld an politischen Verbrechen.

Margarete Nielsen kam 1917 als Tochter eines dänischen Arztes und einer deutschen Lehrerin zur Welt. Sie studierte in Flensburg Medizin sowie in München und Heidelberg Literatur. Ab 1951 arbeitete sie an der psychosomatischen Klinik in Heidelberg, die damals von Dr. med. Alexander Mitscherlich geleitet wurde. Die beiden heirateten 1955. In den 50er Jahren absolvierte sie ihre psychoanalytische Ausbildung in Heidelberg, Stuttgart und London. „Das Ehepaar Mitscherlich hatte große Verdienste darin, die während des Nationalsozialismus zum Exil gezwungenen Psychoanalytiker wieder in Deutschland zu beheimaten“, erklärte das Sigmund-Freud-Institut anlässlich des Todes.

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Unter Mitscherlichs zahlreichen Veröffentlichungen gilt das Buch „Die friedfertige Frau“ (1985) als herausragend, in dem sie einige Mythen über die Natur des weiblichen Geschlechts widerlegt. Sie verstand sich zeitlebens als Feministin.

Sie habe sich bis ins hohe Alter hinein eine imponierende intellektuelle Wachheit bewahrt, „sie ist diskussionsfreudig und streitbar geblieben, gepaart mit Witz und Charme“, sagen Kollegen aus dem SFI. Zudem habe sie gezeigt, wie man in Würde altern könne. Petra Bühring

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