ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2012Psychische Störung und Mutterschaft: Interessantes Werk, das Mut macht

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Psychische Störung und Mutterschaft: Interessantes Werk, das Mut macht

Dtsch Arztebl 2012; 109(26): A-1383

Fangauf, Ulrike

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Im stationären wie im ambulanten Setting werden Ärzte und Psychologen häufig mit Fragen zu Schwangerschaft und psychischer Störung konfrontiert, etwa, wenn eine Patientin während einer Psychotherapie schwanger wird, eine an Psychose erkrankte Frau ihren Kinderwunsch offenbart, sich im Wochenbett eine schwerwiegende psychische Erkrankung erstmals oder erneut manifestiert oder eine drogenabhängige Patientin ein Kind erwartet. Diese und ähnliche Situationen stellen sehr hohe Anforderungen an das Wissen, die Erfahrung und die Beratungskompetenz der Behandler, denn immer klarer werden die Risiken für die fetale und postnatale Entwicklung, wenn die Mutter unter einer neurotischen Störung, Traumatisierung, Sucht oder Psychose leidet.

Dann stellt sich die Frage, ob und welche Behandlung eingeleitet beziehungsweise weitergeführt wird, welche Medikamente verwendet werden dürfen und welche Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen sind, denn auch eine Medikation ist nicht ungefährlich für das sich entwickelnde Kind, schließlich passieren alle psychotropen Pharmaka die Plazenta.

Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert: „Psychische Probleme und Erkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit“, „Spezifische therapeutische Aspekte“ und „Prävention“. Im dritten Teil werden auch die Beratung psychisch kranker Frauen mit Kinderwunsch und Frühinterventionen bei Schwangeren zur Prävention perinataler Störungen diskutiert. Die einzelnen Kapitel sind kurz und prägnant geschrieben, wissenschaftlich auf dem neuesten Stand, durch Tabellen übersichtlich gestaltet und mit Fallbeispielen spannend ergänzt. Entstanden ist ein leichtes, hochinteressantes Werk, das man gern „zur Hand nimmt“, ein Buch, das für viele praxisrelevanten Fragen aus dem Feld „Psychische Erkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit“ hilfreiche Informationen und Hintergrundwissen bietet.

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Was es nicht leisten kann und auch nicht muss, ist eine dezidierte Anleitung, wie die psychotherapeutische Behandlung modifiziert werden sollte, damit einerseits die Erkrankung ausreichend behandelt wird und andererseits Mutter und Kind eine Schonung vor einem Zuviel an emotionaler Belastung erfahren. Doch haben die Autoren aus der Schweiz, Deutschland und Österreich um Prof. Dr. Anita Riecher-Rössler von der Universität Basel ein für das schwere Thema erstaunlich frisches, übersichtliches und hilfreiches Werk verfasst, das allen Psychiatern, Psychotherapeuten, Gynäkologen und auch Hausärzten Mut machen kann, sich mit dem komplexen Thema zu befassen. Ulrike Fangauf

Anita Riecher-Rössler (Hrsg.): Psychische Erkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit. Karger, Basel 2012, 152 Seiten, broschiert, 55 Euro

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