ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2012Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Frisches Kapital erwünscht

WIRTSCHAFT

Deutsche Apotheker- und Ärztebank: Frisches Kapital erwünscht

Dtsch Arztebl 2012; 109(26): A-1390 / B-1202 / C-1182

Stüwe, Heinz

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Staatsschuldenkrise werde der Bank noch einige Zeit erhalten bleiben, hieß es bei der Ver­tre­ter­ver­samm­lung. Foto: Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Die Staatsschuldenkrise werde der Bank noch einige Zeit erhalten bleiben, hieß es bei der Ver­tre­ter­ver­samm­lung. Foto: Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Der Bestand an toxischen Papieren wurde reduziert, das Engagement in Griechenland beendet, das Kerngeschäft läuft rund. Vier Prozent Dividende sind für die Genossenschaftsbank ein Werbeargument bei der geplanten Kapitalerhöhung.

Die nach missglückten Ausflügen auf den Kapitalmarkt zu einer soliden Geschäftspolitik zurückgekehrte Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) plant eine Kapitalerhöhung. Hintergrund ist aber nicht akute Kapitalnot der großen Genossenschaftsbank, sondern die Notwendigkeit, mittelfristig die verschärften Eigenkapitalanforderungen an Kreditinstitute (Basel III) zu erfüllen, wie Herbert Pfennig, Sprecher des Vorstands, auf der Versammlung der Vertreter von knapp 100 000 Mitgliedern in Düsseldorf erläuterte. Das Echo auf seinen Vorschlag in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung wertete Pfennig gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt als „überwältigend positiv“. Den Vertretern der Mitglieder nannte der Bankchef auch eine mögliche Größenordnung der Kapitalerhöhung: Wenn ein Geschäftsanteil von heute 1 500 auf 2 000 Euro vergrößert werde, könnte die Bank mit 250 Millionen Euro neuem Kapital rechnen. Das wäre etwa die Hälfte des zusätzlichen Eigenkapitals, das bis 2018 aufgebracht werden soll. Die Apobank (38,84 Milliarden Euro Bilanzsumme) hatte 2011 ihre Kernkapitalquote von 7,2 auf 8,5 Prozent verbessert. Ein Beschluss über die Kapitalerhöhung soll 2013 von der Ver­tre­ter­ver­samm­lung gefasst werden. Zur Diskussion steht auch eine kleinere Stückelung der Geschäftsanteile.

Anzeige

Dabei dürfte der Apobank zugutekommen, dass die Mitglieder derzeit eine attraktive Verzinsung ihrer Einlagen erhalten. Dieses Adjektiv benutzten Diskussionsredner im Blick auf die vier Prozent Dividende für 2011, die von der Ver­tre­ter­ver­samm­lung einstimmig beschlossen wurden. Die Apobank kann sich auf ein solides Kerngeschäft stützen, ablesbar an der auch im bisherigen Jahresverlauf gestiegenen Kundenzahl und fast zwei Milliarden Euro neu vergebener Kredite. Trotz niedrigen Zinsniveaus und heftigen Wettbewerbs um Kundeneinlagen liegt der Zinsüberschuss mit 277 Millionen Euro nach fünf Monaten des Geschäftsjahrs höher als im Vorjahreszeitraum. Pfennig rechnet 2012 auch aufgrund hoher Investitionen in die Informationstechnik mit einem etwas schlechteren operativen Gewinn als 2011. „Trotzdem planen wir einen Jahresüberschuss, der wieder eine angemessene Dividendenzahlung erlaubt.“

Griechenland ist abgehakt

Der Bestand an strukturierten Finanzprodukten, wie zum Beispiel verbrieften Immobilienkrediten, mit Schwerpunkten in den USA, Spanien und Großbritannien, die das Institut in arge Schwierigkeiten gebracht hatten, konnte seit 2009 von 5,5 auf 2,7 Milliarden Euro (Stand: 31. Mai) abgebaut werden. In diesem Jahr waren auf solche „toxischen Papiere“ bisher nur geringe Abschreibungen nötig. Geld kostet das direkte Engagement in den europäischen Problemländern. Pfennig hatte auf sorgenvolle Fragen in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung allerdings auch gute Nachrichten: Zwar reichten 75 Millionen Euro Rückstellungen für übernommene Kreditausfallversicherungen in Griechenland nicht ganz aus, der Schuldenschnitt belastete den Gewinn der Apobank um weitere sieben Millionen Euro. Nachdem im Mai verbriefte griechische Hypothekenkredite von 23 Millionen Euro mit Verlust verkauft wurden, konnte Pfennig erleichtert feststellen: „Die Bank ist damit komplett aus Griechenland raus.“ Auch gegenüber Ungarn beständen keine offenen Positionen mehr.

Spanien bereitet Sorgen

Dafür ist die Apobank stark in Spanien engagiert: mit Krediten an spanische Banken von 180 Millionen Euro und verbrieften Hypothekenkrediten im Volumen von 330 Millionen Euro. Sollten Letztere unerwartete Wertverluste erleiden, würde nach Angaben des Vorstands die Garantievereinbarung mit dem Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken greifen. Die Forderungen an spanische Banken werden durch das kürzlich von der Eurogruppe angekündigte 100-Milliarden-Euro-Kreditpaket indirekt gestützt. Die Risikotragfähigkeit der Bank ist nach Angaben des Vorstands gegeben, auch wenn die Stresstests eine „angespannte Situation“ zeigten. Prognosen für die weitere Risikovorsorge seien seriös kaum möglich, sagte Vorstandsmitglied Thomas Siekmann – mit einer Ausnahme: „Die Staatsschuldenkrise bleibt uns noch einige Zeit erhalten.“

Heinz Stüwe

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema