ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2012Schach: Endorphine überall

SCHLUSSPUNKT

Schach: Endorphine überall

Dtsch Arztebl 2012; 109(26): [68]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Vor mir liegt die Ankündigung eines Blutzuckermessgeräts. Auf dem Bild sind zwei dieser laut Text „einfach zu bedienenden, sicheren und zuverlässigen, sanften und schnellen“ (bei solcher Exzellenz verliert ja der Diabetes schon einiges von seinem Schrecken) Messgeräte mitten auf einem Schachbrett drapiert, eingerahmt von zwei schnaubenden Springern, einem weißen und einem schwarzen. Der weiße König hingegen drückt sich, wie es der (Schach-) Könige Art ist, ängstlich an den Rand: Noli me tangere! Im Gegensatz zu den Messgeräten, die der Springer Angriffslust leicht zu parieren scheinen und deren Botschaft eindeutig ist: „Halten Sie den Diabetes in Schach!“

Womit ich natürlich einmal mehr, geradezu zwangsläufig, beim Diabetesarzt Dr. med. Richard Berthold bin. Pawlowscher Reflex – bei mir wohlgemerkt! Im letzten Jahr berichtete ich bereits über diesen „Marathonmann“, der unter anderem sogar Ultramarathons über 89 km in Südafrika läuft. Bei großen Belastungen werden Endorphine mit entsprechenden euphorischen Empfindungen ausgeschüttet.

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Doch Dr. Berthold läuft nicht nur allerorten Marathons, sondern auch mit seinen Patienten, vermutlich etwas langsamer und kürzer, durch Neunkirchens Straßen. Seit einiger Zeit ist ja bekannt, dass man in etlichen Fällen einen Diabetes vom Typ 2 „weghungern und weglaufen“ kann. Natürlich geht das für die meisten nur, wenn sie den inneren Schweinehund in Schach halten.

Doch zurück zu Dr. Berthold und den segensreichen Nebenwirkungen des Ärzteschachturniers. Bei diesem traf er vor Jahren nämlich auch auf den Chirurgen Prof. Dr. Dr. med. Bernd Domres, der sich „mit Caro-Kann (Anm.: eine Schacheröffnung) gut und interessant verteidigte“ (Berthold), aber – nicht weniger wichtig – mit ihm auch ins Gespräch kam. Dabei stellte sich heraus, dass Prof. Domres als Leiter des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin nicht nur an allen Brandherden der Welt (zum Beispiel nach dem Erdbeben in Haiti oder bei der Tsunamikatastrophe in Indonesien) an vorderster Front tätig ist, wofür er 2011 zum „Arzt des Jahres“ (eine Initiative der Techniker-KK und der „Bildzeitung“) gewählt wurde und in diesen Tagen das höchste Bundesverdienstkreuz bekommt, sondern auch Chairman auf der „International Conference of the Arabic Association for the Study of Diabetes & Metabolism“ in Kairo war. Seitdem hält auch Dr. Berthold auf dieser jährlichen Konferenz im Kreise herausragender Professoren vor allem aus dem arabischen Raum Vorträge – man kann ja nicht immer nur durch Neunkirchens Straßen laufen.

Und ab und zu muss man auch Schach spielen.

Sehen Sie, wie Dr. Berthold beim letzten Ärzteturnier in Bad Neuenahr als Weißer am Zug gegen Dr. med. Wael Omran zwangsläufig und siegbringend dessen Springer eroberte und sich so auch – ausnahmsweise einmal nichtlaufend – eine Endorphindosis bescherte?

Lösung:

Eine Verfolgungsjagd des schwarzen Monarchen war der Schlüssel zum Erfolg.

Nach 1. Td1+! Kc5 (nach einem Wegzug des Königs auf die e-Linie fällt der Springer, das Objekt der weißen Begierde, gleich) 2. Td5+ Kb6 3. Tb5+ Ka6 musste sich der schwarze König endgültig von seinem Springer trennen, und mit 4. Lxc6 hatte dessen letztes Stündlein geschlagen.

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