ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2012Nachahmungsverhalten mit Folgeschäden
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Als hausärztlich tätiger Allgemeinmediziner habe ich diese Arbeit als kontraproduktiv empfunden, da sie die Problematik der Linkshändigkeit, insbesondere ihre immer noch häufig durchgeführte Umschulung, bagatellisiert. Alter Wein in neuen Schläuchen (zum Beispiel „Sterben Linkshänder früher?“) helfen nicht, das Thema Linkshändigkeit zu enttabuisieren und Umschulungen zu vermeiden, die aufgrund von Modell- und Nachahmungsverhalten heute meist als eine Selbstumschulung durch die linkshändigen Kinder immer noch häufig statt finden.

Begriffe wie „umlernen“ sind dies unterstützende Euphemismen des „massivsten unblutigen Eingriffe(s) ins Gehirn“ (Dr. Ivo-Kurt Cizek).

Der wesentliche Kritikpunkt ist aber ein methodologischer: Wie wird das reale Vorliegen der Händigkeit in der vorliegenden Metaanalyse verifiziert? Es reicht nicht, die Händigkeit abzufragen oder die Schreibhand als händigkeitsanzeigendes Kriterium festzulegen, sondern die Händigkeit muss per valider Testung diagnostiziert werden, bevor man statistische Analysen sinnvoll vorlegen kann. So braucht man mithin die „Ergebnisse“ der statistischen Auswertungen gar nicht im Einzelnen zu diskutieren, so reizvoll und erleuchtend dies auch ist, denn allen diesen Arbeiten fehlt der Nachweis der tatsächlichen Händigkeit!

Andererseits fällt das Fehlen einiger neuerer Arbeiten auf (zum Beispiel von Klöppel [1], Siebner [2], Sattler oder Marquardt [3]).

Diese Arbeit liefert keine neuen Erkenntnisse, sondern zitiert teils veraltete Arbeiten, deren damals bereits unzureichende Methoden keine validen Ergebnisse liefern konnten. Die Tatsache der Gleichwertigkeit von rechter und linker Hand wird in unserem Kulturkreis inzwischen ohnehin von den meisten Eltern, Erziehern und Ärzten geteilt. Dennoch fehlt es immer noch an Aufklärung, dass immer noch per Modell- und Nachahmungsverhalten mit erheblichen Folgeschäden umgeschult wird!

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0490a

Dr. med. Thomas Noll

Enger

Dr. phil. Johanna Barbara Sattler

Erste deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder e.V.

München

Dr. med. Hans Ibel

Werneck

Dr.Hans.Ibel@t-online.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Klöppel S, et al.: Nurture versus Nature: Long-term impact of
forced right-handedness on structure of pericentral cortex and basal ganglia. J Neurosci 2010; 30: 3271–5 CrossRef MEDLINE
2.
Siebner HR, et al.: Long-Term Consequences od Switching Handedness: A Position Emission Tomography Study on Handwriting in „Converted“ Left-Handers. J Neurosci 2002; 22: 2816–25. MEDLINE
3.
Sattler JB, Marquardt C: Motorische Schreibleistung von linkshändigen und rechtshändigen Kindern in der 1. bis 4. Grundschulklasse. Ergotherapie und Rehabilitation 2010; 49(1): 26–32 und (2): 24–8.
4.
Gutwinski S, Löscher A, Mahler L, Kalbitzer J, Heinz A, Bermpohl F: Understanding left-handedness. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(50): 849–53. VOLLTEXT
1. Klöppel S, et al.: Nurture versus Nature: Long-term impact of
forced right-handedness on structure of pericentral cortex and basal ganglia. J Neurosci 2010; 30: 3271–5 CrossRef MEDLINE
2.Siebner HR, et al.: Long-Term Consequences od Switching Handedness: A Position Emission Tomography Study on Handwriting in „Converted“ Left-Handers. J Neurosci 2002; 22: 2816–25. MEDLINE
3. Sattler JB, Marquardt C: Motorische Schreibleistung von linkshändigen und rechtshändigen Kindern in der 1. bis 4. Grundschulklasse. Ergotherapie und Rehabilitation 2010; 49(1): 26–32 und (2): 24–8.
4.Gutwinski S, Löscher A, Mahler L, Kalbitzer J, Heinz A, Bermpohl F: Understanding left-handedness. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(50): 849–53. VOLLTEXT

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