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Neben Hyperphosphatämie erhöht auch Hypophosphatämie das kardiovaskuläre Risiko (1). Niedrige Serumphosphatspiegel reduzieren die eNOS-Aktivität und führen zu Insulinresistenz, ATP-Mangel und über vermindertes 2,3-Diphosphoglycerat zu endothelschädigender chronischer Gewebehypoxie. Risikofaktoren wie Diabetes mellitus oder Adipositas sind häufig mit Hypophosphatämie assoziiert (1, 2).

Ursächlich für einen klinisch relevanten Phosphatmangel sind nicht nur – wie im Abschnitt „Risiken durch Hypophosphatämie“ angeführt – Phosphatdiabetes, Mangelernährung und Sepsis, sondern neben schlecht eingestelltem Diabetes mellitus auch chronischer Alkoholabusus, große Operationen, Infektionen (zum Beispiel Legionellose, Malaria), COPD, Langzeithämodialyse und Therapie mit Antazida, Diuretika, Katecholaminen, Imatinib und anderen.

Da das Serumphosphat weniger als 1 % des Gesamtphosphats im Körper ausmacht, kann trotz eines normalen oder sogar erhöhten Serumspiegels ein erheblicher intrazellulärer Phosphatmangel bestehen. Die Phosphathomöostase unterliegt einer sehr komplexen, erst ansatzweise aufgeklärten Regulierung, die nicht nur von FGF-23, Parathormon und Vitamin D, sondern zum Beispiel auch pH-Wert, Insulin, Wachstumshormon, Östrogenen, Stresshormonen, Kalzium und Magnesium beeinflusst wird. So ist das kardiovaskuläre Risiko vermutlich eher durch Störungen des Phosphatmetabolismus bestimmt als von der sehr geringen Menge extrazellulären Phosphats allein. Kinder zum Beispiel haben wesentlich höhere Serumphosphatwerte als Erwachsene und trotzdem kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, und in einer neueren Osteoporosestudie (3) konnte zwar Hyperkalzämie, nicht aber Hyperphosphatämie als kardiovaskulärer Risikofaktor bestätigt werden.

Die Serumspiegel Nierengesunder korrelieren nur minimal mit dem Phosphatgehalt der aufgenommenen Nahrung (2) und zeigen außerdem durch ihre zirkadiane Rhythmik auch intraindividuell im Tagesverlauf starke Schwankungen, so dass die meist nur 1-mal/Tag bestimmten Serumphosphatwerte für die durchschnittliche 24-h-Serumkonzentration nicht immer repräsentativ sind.

Möglicherweise hat für eine gesunde Ernährung der absolute Phosphatgehalt von Lebensmitteln aber weniger Bedeutung als zum Beispiel das Kalzium/Phosphat-Verhältnis im Zusammenspiel mit Magnesium und Vitamin D.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0492b

Dr. med. Elisabeth Deixler

Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie,

Städtisches Klinikum München-Bogenhausen

e.deixler@gmx.de

Interessenkonflikt
Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Peng A, Wu T, Zeng C, Rakheja D, Zhu J, et al.: Adverse effects of simulated hyper- and hypo-phosphatemia on endothelial cell function and viability. PLoS ONE 2011; 6: e23268. doi:10.1371/journal.pone. 0023268 MEDLINE
2.
de Boer IH, Rue TC, Kestenbaum B: Serum phosphorus concentrations in the third National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III). Am J Kidney Dis 2009; 53: 399–407. CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Slinin Y, Blackwell T, Ishani A, Cummings SR, Ensrud KE: Serum calcium, phosphorus and cardiovascular events in post-menopausal women. Int J Cardiol 2011; 149: 335–340. CrossRef MEDLINE
4.
Ritz E, Hahn K, Ketteler M, Kuhlmann MK, Mann J: Phosphate additives in food—a health risk. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(4): 49–55. VOLLTEXT
1.Peng A, Wu T, Zeng C, Rakheja D, Zhu J, et al.: Adverse effects of simulated hyper- and hypo-phosphatemia on endothelial cell function and viability. PLoS ONE 2011; 6: e23268. doi:10.1371/journal.pone. 0023268 MEDLINE
2.de Boer IH, Rue TC, Kestenbaum B: Serum phosphorus concentrations in the third National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III). Am J Kidney Dis 2009; 53: 399–407. CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Slinin Y, Blackwell T, Ishani A, Cummings SR, Ensrud KE: Serum calcium, phosphorus and cardiovascular events in post-menopausal women. Int J Cardiol 2011; 149: 335–340. CrossRef MEDLINE
4.Ritz E, Hahn K, Ketteler M, Kuhlmann MK, Mann J: Phosphate additives in food—a health risk. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(4): 49–55. VOLLTEXT

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