ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2012Psychotherapie: Im Blickpunkt

EDITORIAL

Psychotherapie: Im Blickpunkt

PP 11, Ausgabe Juli 2012, Seite 289

Bühring, Petra

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Psychische Erkrankungen stehen zurzeit im Fokus, und auch die Belange der Psychotherapeuten sind deshalb von breitem Interesse. Drei Artikel in diesem Heft, die Psychotherapeuten vielleicht nicht sofort als „für uns interessant“ ins Auge springen, verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit.

In „Das Gespräch“ zur anstehenden EBM-Reform äußert sich der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Andreas Köhler, unter anderem zu einer seit langem erhobenen Forderung von KBV und Psychotherapeuten: der Herauslösung der Vergütung für Psychologische Psychotherapeuten aus der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (Seite 298). Mit einem eigenen Honorartopf für Psychotherapeuten könnte verhindert werden, dass Leistungsausweitungen in der Psychotherapie zulasten des fachärztlichen Honorartopfes gehen, also zulasten der Fachärzte, die keine festen Punktwerte haben. So könnte zudem böses Blut vermieden werden. Köhler sieht keine Chance mehr, dies flächendeckend in allen Bundesländern in Verhandlungen mit den Krankenkassen zu erreichen. Auf Bundesebene sei es nicht gelungen, den GKV-Spitzenverband von einem eigenen Honorarbereich für Psychotherapeuten zu überzeugen. Der KBV-Vorstandsvorsitzende will deshalb eine Lösung über den Gesetzgeber erwirken – Gespräche werden geführt.

Eine hohe Arbeitszufriedenheit und hohe Identifikation mit ihrem Beruf zeigt der „Ärztemonitor“, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der NAV-Virchow-Bund in Auftrag gegeben haben (Seite 302). Bei den niedergelassenen ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten ist beides noch stärker ausgeprägt als bei Haus- und Fachärzten. Psychotherapeuten schaffen es nach der Stimmungsbild-Umfrage zudem besser, Beruf und Privatleben in einer guten Balance zu halten. Das liegt wohl auch daran, dass Ärzte sich ein sehr hohes Arbeitspensum von durchschnittlich 56 Wochenstunden auferlegen; Psychotherapeuten arbeiten im Schnitt 42 Stunden. Wenig verwunderlich ist, dass nur 30 Prozent der Psychotherapeuten mit der wirtschaftlichen Situation ihrer Praxen zufrieden sind; bei den Ärzten sind es fast 60 Prozent. Auffallend ist, dass der Verwaltungsaufwand mit einem Anteil von 18 Prozent der Arbeitszeit bei den Psychotherapeuten höher ist als bei den Ärzten (14 Prozent). Würden weniger Berichte an den Gutachter und anderes verlangt, sollte die Patientenversorgung unmittelbar profitieren.

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Die neue Studie des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (Seite 309) belegt, dass jeder vierte Mann und jede dritte Frau im Erhebungsjahr mindestens zeitweilig an einer psychischen Erkrankung litten; am häufigsten waren Angststörungen und depressive Erkrankungen. Bei der Frage, ob die Prävalenz von Depressionen zugenommen habe, war der Studienleiter des Moduls, Prof. Dr. med. Hans-Ullrich Wittchen, Dresden, vorsichtig: Er sieht „gewisse Zunahmeeffekte“, jedoch nicht epidemischen Ausmaßes. Vor allem bei jüngeren Menschen scheine die Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen erhöht zu sein. Von der weiteren Auswertung der Studie verspricht sich der Psychiater auch im internationalen Vergleich differenzierte und umfassende Daten.

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