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Dtsch Arztebl 2012; 109(29-30): A-1505

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Rote-Hand-Brief zu Vectibix® wegen lebensbedrohlicher Hautreaktionen – Der Wirkstoff Panitumumab (Vectibix®, Amgen) ist ein rekombinanter monoklonaler Antikörper zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom mit Wildtyp-KRAS in verschiedenen Settings. Amgen teilt nun mit, dass unter der Therapie sehr häufig schwere Hautreaktionen (Grad 3) auftreten können – einschließlich seltener Fälle von Hautnekrosen, die zu lebensbedrohlichen entzündlichen oder infektiösen Komplikationen führen. So wurden fünf Fälle von nekrotisierender Fasziitis identifiziert. Drei verliefen tödlich, zwei waren lebensbedrohlich.

Patienten mit schweren Hautreaktionen sollten nach Empfehlung der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft wegen möglicher Spätkomplikationen überwacht und behandelt werden. Gegebenenfalls muss die Behandlung mit Panitumumab unterbrochen oder beendet werden.

Rote-Hand-Brief zu Volibris® wegen Ausschluss von Patienten mit idiopathischer pulmonaler Fibrose Der selektive Endothelin-A-Rezeptor-Antagonist Ambrisentan (Volibris®, Glaxo-SmithKline), der zur Behandlung der pulmonal arteriellen Hypertonie der WHO-Funktionsklassen II und III indiziert ist, darf nicht angewendet werden bei Patienten mit idiopathischer pulmonaler Fibrose (IPF). Eine klinische Studie zeigte bei solchen Patienten im Vergleich zu Placebo mehr stationäre Behandlungen infolge respiratorischer Probleme sowie höhere Mortalitätsraten. IPF-Patienten, die bereits Ambrisentan erhalten haben, sollen sorgfältig untersucht werden; alternative Therapien sind in Erwägung zu ziehen.

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Rote-Hand-Brief zu Doribax® (Doripenem) bezüglich Dosierung und Behandlungsdauer – Das Antibiotikum Doripenem (Doribax®, Johnson & Johnson) aus der Gruppe der Carbapeneme ist zugelassen zur Behandlung der nosokomialen Pneumonie (einschließlich Beatmungspneumonie), komplizierten intraabdominellen und Harnwegsinfektionen. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass die derzeit zugelassene Dosierung (500 mg alle acht Stunden als ein- oder vierstündige Infusion) nicht für alle Patienten mit nosokomialer Pneumonie (NP) ausreicht.

Zudem sollte die Dauer der Behandlung einer NP einschließlich Beatmungspneumonie mit Doripenem zehn bis 14 Tage betragen. Für die Behandlung von Patienten mit einer Kreatinin-Clearance ≥ 150 ml/min und/oder Infektionen mit nichtfermentierenden, gramnegativen Erregern sollte zusätzlich eine höhere Doripenem-Dosierung in Betracht gezogen werden: zum Beispiel 1 g alle acht Stunden als vierstündige Infusion.

Cave: Methotrexat-Überdosierungen bei rheumatologischen und dermatologischen Indikationen Zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und der Psoriasis wird Methotrexat in einer Dosierung von 7,5 bis etwa 20 mg einmal pro Woche angewendet. Eine Wochendosis von 25 mg sollte in diesen Indikationen im Allgemeinen nicht überschritten werden. Trotz bereits bestehender risikominimierender Maßnahmen werden weiterhin Fälle von Methotrexat-Überdosierungen berichtet.

Ursache ist eine irrtümlich tägliche Einnahme der verordneten Wochendosis, die in einigen Fällen zu schweren unerwünschten Arzneimittelwirkungen, zum Teil mit Todesfolge, geführt hat. Die Dosierungsfehler können sowohl in Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken bei der Verschreibung, Dosierungsanordnung und Verteilung des Arzneimittels auftreten als auch bei Patienten zu Hause aus Unachtsamkeit oder aufgrund schwer verständlicher Verordnungshinweise.

Tolperison nur bei Spastizität nach Schlaganfall anwenden – Das zentral wirksame Muskelrelaxanz Tolperison

soll nach Angaben der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA nur noch bei Spastizität nach Schlaganfall verordnet werden. Bislang ist das Präparat allgemein zur Behandlung von Spastizität der Skelettmuskulatur, zum Beispiel für Patienten mit multipler Sklerose oder Erkrankungen der Wirbelsäule, zugelassen. Die EMA-Empfehlung basiert auf neuen Daten zum Nutzen-Risiko-Verhältnis des Spasmolytikums.

Danach ist das Risiko von Hypersensitivitätsreaktionen höher als bisher angenommen.

Patienten, die derzeit mit Tolperison behandelt werden, sollten über mögliche Hypersensitivitätsreaktionen aufgeklärt werden (Flush, Rash, Pruritus, Kurzatmigkeit, Schluckbeschwerden, Tachykardie oder Hypotonie). Bei Auftreten von Hypersensitivitätsreaktionen ist die Behandlung sofort zu beenden.

Zulassungserweiterung für Vancomycin – Das Präparat Vancomycin Enterocaps® 250 mg mit dem Wirkstoff Vancomycinhydrochlorid (Riemser Arzneimittel AG) steht nun auch zur Therapie leichter und mittlerer Fälle der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) zur Verfügung. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat einer Erweiterung der bisher zugelassenen Indikation von der schweren, pseudomembranösen Kolitis auf alle CDAD-Fälle zugestimmt.

Die Leitlinien der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases von 2009 empfehlen orales Vancomycin wie zum Beispiel Vancomycin Enterocaps 250 mg bereits als First-Line-Therapeutikum für schwere CDAD-Erkrankungen sowie für rezidivierende Erkrankungen. Nun kann das Präparat für alle CDAD-Fälle eingesetzt werden. Die Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö ist die häufigste nosokomiale Durchfallerkrankung, die Inzidenz steigt jährlich um 30 Prozent.

Fixe Dreifachkombination Sevikar HCT®15 bis 20 Prozent der Patienten mit Bluthochdruck benötigen mehr als zwei verschiedene Wirkstoffe, um die empfohlenen Zielwerte zu erreichen. Das Antihypertensivum Sevikar HCT ist durch die Zugabe von Hydrochlorothiazid (HCT) nun explizit für diejenigen Hypertoniker zugelassen, deren Blutdruck mit der Fixkombination Olmesartan/Amlodipin nicht ausreichend kontrolliert werden kann. Die fixe Dreifachkombination Sevikar HCT wird von Daiichi Sankyo angeboten. EB

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