ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2012Kommunikation: Eine zunehmend wichtige Rolle

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Kommunikation: Eine zunehmend wichtige Rolle

Dtsch Arztebl 2012; 109(29-30): A-1499 / B-1290 / C-1270

Dehne, Andreas

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Die Kommunikation mit dem Patienten dürfte zunehmend und insbesondere bei sehr komplexen, schwierigen oder komplikationsbelasteten Behandlungsverläufen, bei der Wahl von möglichen Behandlungswegen und Behandlungsalternativen, bei der präoperativen Aufklärung und beim Konfliktmanagement nach bereits eingetretenen Komplikationen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Dem steht im allgemeinen Klinikalltag ein ständig abnehmendes Zeitkontingent der Ärzte bei steigender Überlastung durch Bürokratie und Überstunden gegenüber, so dass eine intensive, gründliche Kommunikation mit dem Patienten oft allein dadurch eingeschränkt wird. Zudem ist festzustellen, dass Kommunikationstraining weder in der Ausbildung von Medizinstudierenden noch in der Facharztweiterbildung (oder etwa für medizinische Führungskräfte) überhaupt eine Rolle spielt.

Die kürzlich veröffentlichten Zahlen der Schlichtungsstellen der Bundes­ärzte­kammer für 2011 belegen einen beständigen Anstieg der Behandlungsfehlervorwürfe, aber nur in etwa einem Viertel dieser Fälle wurde ein Behandlungsfehler von den Schlichtungsstellen bestätigt. Offen bleibt die Frage, wie viele dieser Verfahren bei zuvor besserer Kommunikation mit dem betroffenen Patienten und seinen Angehörigen hätten vermieden werden können, erst recht unbeantwortet ist die Fragestellung, wie viele (eigentlich auch inhaltlich beziehungsweise juristisch aussichtslose) gerichtliche Patientenklagen durch eine bessere Gesprächsführung vermeidbar oder außergerichtlich (und damit ohne jahrelangen Verlauf) lösbar wären.

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Das Buch wendet sich zwar vordergründig an Ärzte der operativen Disziplinen (Chirurgie, Unfallchirurgie, Neurochirurgie, Gynäkologie und Urologie mit jeweils eigenen Kapiteln), die grundsätzlichen Prinzipien der Kommunikation sind jedoch absolut übertragbar auf alle, auch konservative Fachrichtungen im ambulanten und stationären Bereich. Spezielle Aspekte der Kommunikation mit Krebspatienten, Patienten im Kindes- und Jugendalter, Senioren und Patienten aus dem Migrantenbereich werden in gesonderten Kapiteln behandelt.

Dem Titel ist nicht nur eine weite Verbreitung und Akzeptanz bei Medizinstudierenden und Ärzten aller Fachrichtungen in Klinik und Praxis zu wünschen, sondern vor allem auch eine Nutzung auf allen Weiterbildungsebenen – vom Medizinstudium über die Facharztweiterbildung bis hin zum Pflichtseminar für Chefärzte. Andreas Dehne

Peter-Michael Hax, Thomas Hax-Schoppenhorst (Hrsg.): Kommunikation mit Patienten in der Chirurgie. Praxisempfehlungen für Ärzte aller operativen Fächer. Kohlhammer, Stuttgart 2011, 276 Seiten, kartoniert, 36,90 Euro

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