ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1996Vergangenheit: Ich habe verziehen . . .
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LNSLNS Mit Erschütterung lese ich Ihre "Ergänzung" . . . Ist es "ärztliches" Denken und Handeln, ein halbes Jahr-hundert lang in alten Wun-den zu graben und zu wühlen, um den Patienten immerzu neue Schmerzen zuzufügen und nicht endlich – nach langen "tiefenpsychologischen" Auseinandersetzungen – eine Heilung herbeizusehnen?
Wenn Sie, Herr Kollege, sich so gut in den Vorkommnissen der NS-Zeit auskennen, sind Sie sicher etwa mein Jahrgang – oder gehören Sie schon zu den schuldlos Geborenen? Ich habe damals vieles bewußt miterlebt – und erlitten –, aber im Gegensatz zu Ihnen bin ich bewußt "alt" geworden: tolerant menschlichem Fehlverhalten und menschlichen Schwächen gegenüber (die sind bis heute nicht weniger geworden!), und ich habe verziehen, unseren Feinden und uns Deutschen! In diesem Sinne arbeite ich auch mit meinen fünf Kindern und zehn Enkeln die Vergangenheit auf.
Auch Ihnen wünsche ich die Gnade für das Erfahren von Mitmenschlichkeit, Toleranz und Friedfertigkeit.
Dr. Adelheid Meyer-Diesch, Schachener Straße 67, 88131 Lindau-Schachen
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