ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2012Bayerischer Hausärztetag: Ärzte starten Bundestagspetition

POLITIK

Bayerischer Hausärztetag: Ärzte starten Bundestagspetition

Dtsch Arztebl 2012; 109(31-32): A-1542 / B-1325 / C-1305

Schmidt, Klaus

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Die Hausärzte in Bayern wollen durchsetzen, dass Honorarzuwächse im Rahmen von Hausarztverträgen nicht mehr mit Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen werden müssen. Das hatte die Verträge ursprünglich attraktiv gemacht.

Der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) hat seit 1. Juli zwar wieder Hausarztverträge nach altem Recht mit fast allen Krankenkassen in Bayern, aber er ist sich des Erfolgs nicht sicher. Spätestens 2014 müssen Anschlussverträge ausgehandelt werden. Damit diese nicht nach neuem – für die Hausärzte ungünstigerem – Recht abgeschlossen werden, will der Verband auch politisch aktiv werden.

Beim Bayerischen Hausärztetag Mitte Juli in Erlangen beschlossen die Delegierten eine Petition an den Bundestag mit dem Ziel, § 73 b Abs. 5 a im SGB V zu streichen. Danach müssen Honorarzuwächse durch Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen werden. Der Verbandsvorsitzende, Dr. med. Dieter Geis, formulierte es so: Hausärzten würden ihre Mehrleistungen im Rahmen von Hausarztverträgen nur dann adäquat honoriert, wenn sie gleichzeitig bei ihren Patienten einsparten: „Das ist unethisch und mit uns nicht zu machen.“

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Geis rief die BHÄV-Mitglieder auf, die Petition bis Oktober in den Praxen auszulegen, damit auch die Patienten unterschreiben könnten. Zugleich appellierte er an die Hausärzte, sich noch mehr als bisher an den Hausarztverträgen zu beteiligen, um den Druck auf die Politik zu verstärken. „Je mehr Versicherte wir in unsere Hausarztverträge einschreiben, desto mehr Chancen haben wir, die Hausarztverträge nach altem Recht über das Jahr 2014 hinaus durchzusetzen.“

Der BHÄV-Vorsitzende räumte ein, dass viele Kollegen zu Recht Mängel an den geltenden Verträgen kritisierten. Aber der Verband habe nur die Alternative: „Keine Verträge? Schuften auf unsicherem KV-Niveau mit schwankendem RLV und QZV?“ Geis zeigte Verständnis für den Unmut vieler Kollegen über verspätete Honorarabrechnungen, bat aber zugleich um Nachsicht gegenüber der mit der Abwicklung befassten Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft, die nach der Kündigung der Hausarztverträge in Bayern Ende 2010 stark geschrumpft sei und nur noch mit einer kleinen Mannschaft ihren Aufgaben nachkommen könne: „Hier wollen und werden wir wieder besser werden.“

Zugleich will der Hausärzteverband den Druck auf die Landesregierung verstärken, an allen bayerischen Hochschulen Lehrstühle für Allgemeinmedizin zu schaffen. Bislang gibt es erst einen Lehrstuhl an der TH München; in Erlangen entsteht in Kürze ein weiterer. Der Mangel an Lehrstühlen für Allgemeinmedizin ist nach Ansicht des BHÄV einer der Hauptgründe für den Nachwuchsmangel bei den Hausärzten. Wie dringend der Bedarf ist, belegen Geis zufolge die Zahlen der Facharztprüfungen in Bayern von 2011: Von mehr als 1 800 Facharztprüfungen wurden lediglich knapp zehn Prozent im Fach Allgemeinmedizin abgelegt. Dazu der BHÄV-Vorsitzende: „50 Prozent bräuchten wir. Das ist einfach ein Skandal.“

Die Medizinstudierenden beim Hausärztetag teilten diese Auffassung. Allerdings kritisierten sie auch, es gebe zu wenige Informationen über den Beruf des Allgemeinarztes und die Realität in der Praxis. Seit Jahren höre man von den Verbänden nur, wie schlecht es den Allgemeinärzten gehe, dass sie zu wenig verdienten und ständig von existenzgefährdenden Regressen bedroht seien. Die Studierenden wünschten sich dagegen Aufklärung über die tatsächlichen Verdienstmöglichkeiten, die Kostensituation und mögliche Verbesserungen bei der Praxisgründung und -führung. Die ständigen Klagen schreckten den Nachwuchs ab. Zudem sei es besser, die Studierenden möglichst früh an die Allgemeinmedizin heranzuführen und zu lehren, wie man mit Patienten umgehe, statt Zwangstertiale oder Zwangsquartale in Allgemeinmedizin einzuführen.

Der BHÄV-Vorsitzende Geis versprach Besserung: Der Verband wolle auf seiner Internetseite eine Famulaturbörse einrichten, eine eigene E-Mail-Adresse für Fragen von Ärzten in der Weiterbildung schaffen und ein Mentorenprogramm etablieren. Das Programm, das zurzeit als Modellprojekt an der Universität Erlangen erprobt wird, garantiert Studierenden, die im praktischen Jahr freiwillig ein Tertial Allgemeinmedizin absolvieren, einen Zuschuss von 500 Euro im Monat und einen Mentor, der sie begleitet.

An den Gesetzgeber appellierte der Verband, rein allgemeinärztliche Versorgungszentren zu ermöglichen. Denn viele junge Ärztinnen und Ärzte arbeiteten lieber im Angestelltenverhältnis.

Klaus Schmidt

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