ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2012Sexuell übertragbare Infektionen nehmen zu

AKTUELL: Akut

Sexuell übertragbare Infektionen nehmen zu

Dtsch Arztebl 2012; 109(31-32): A-1528 / B-1314 / C-1294

Zylka-Menhorn, Vera

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„Die alarmierend hohe Neuinfektionsrate bei Syphilis sowie hyperresistente Gonorrhöerreger (Gonokokken) zeigen, dass sexuell übertragbare Infektionen (STI) auf dem Vormarsch sind“, sagte Prof. Dr. med. Norbert Brockmeyer von der Ruhr-Universität Bochum als Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft beim Jubiläumskongress in Berlin. „Wir müssen die Gesellschaft intensiv über STI informieren, dieses Thema aus der ,Schmuddelecke‘ holen und in Prävention und neue Behandlungsstrategien investieren.“

Gerade die asymptomatischen Infektionsverläufe wie bei der Chlamydieninfektion und der Gonorrhö führten sehr schnell zu einer Ausbreitung von STI, erklärte Brockmeyer. „Daher müssen wir verstärkt für regelmäßige ärztliche Präventionsuntersuchungen werben.“ Ein Problem hierbei sei die Nichtabrechenbarkeit von Beratungsgesprächen, was dazu führe, dass in einigen Praxen die Beratung zur sexuellen Gesundheit zu kurz komme.

Die Deutsche STI-Gesellschaft wird demnächst eine neue Leitlinie zur Behandlung der Gonorrhö veröffentlichen, die klare Behandlungshinweise enthält, um einer Resistenzbildung aufgrund von teilweise zu niedrig dosierten Therapien vorzubeugen. „Doch dann benötigen wir in Deutschland auch die entsprechenden Antibiotika, wie beispielsweise Spectinomycin, die zurzeit nur über das Ausland zu beziehen sind. Hier müssen wir mit der Politik Lösungen suchen“, sagte Brockmeyer in Berlin.

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Die Zahl der Syphiliserkrankungen ist im letzten Jahr um fast 22 Prozent gestiegen. Getrieben wird die derzeitige Epidemie einem Bericht im „Epidemiologischen Bulletin“ (2012; 24: 221–3) zufolge vor allem durch Männer, die Sex mit Männern haben. In Dortmund und Bremerhaven ist es jedoch jüngst auch zu Ausbrüchen bei heterosexuellen Frauen und Männern gekommen.

Im Jahr 2011 wurden dem Robert-Koch-Institut bundesweit 3 698 Syphilisneuerkrankungen gemeldet (2010: 3 033 Fälle). Dies entspricht einer Inzidenz von 4,5 Infektionen auf 100 000 Einwohner, der höchsten Inzidenz seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001. Die naheliegende Erklärung für den Anstieg der Syphiliserkrankungen ist ein geändertes sexuelles Verhalten mit vermehrten ungeschützten Kontakten, was jedoch noch durch Verhaltensstudien bestätigt werden muss. Besorgniserregend ist die Zunahme, weil bei einer Syphilis mit ihren die Schleimhautbarriere durchbrechenden Läsionen das Risiko einer HIV-Übertragung steigt. zyl

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