ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2012Schach: Bitte nicht ärgern!

SCHLUSSPUNKT

Schach: Bitte nicht ärgern!

Dtsch Arztebl 2012; 109(33-34): [100]

Pfleger, Helmut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Zu Beginn des 20. Ärzteschachturniers in Bad Neuenahr überreichte Herbert Bastian, der Präsident des Deutschen Schachbunds (DSB), dem stellvertretenden Chefredakteur des Deutschen Ärzteblatts, Josef Maus, für seine großen Verdienste um dieses Turnier den Ehrenteller des DSB. „Das ist würdig und recht“, heißt es in der katholischen Messe, und das Gleiche kann der Chronist, der einst als Ministrant unzählige Male dieses Sprüchlein aufsagte, damals sogar noch lateinisch „Dignum et justum est“, auch hier nur hinterherstammeln. Wobei es eigentlich drei Ehrenteller hätten sein sollen, schließlich sind Frau und Tochter ebenfalls immer unermüdlich und heiteren Sinnes dabei.

Ich habe schon einmal anklingen lassen, dass Josef Maus zwei außereheliche Leidenschaften in seiner Brust hegt: eine davon ausgesprochen unglücklich, nämlich die für den 1. FC Köln, die ihn zuletzt voll trauernder, von Sarkasmus überspielter Verzweiflung „aus der Stadt des Absteigers“ grüßen ließ, die andere jedoch umso erfüllter und glücklicher, nämlich seine Wettleidenschaft auf die Spielkunst von Dr. med. Matias Jolowicz.

Anzeige

Ebenso oft wie die „Geißböcke“ verlieren, so oft gewinnt Dr. Jolowicz Jahr für Jahr, nicht selten sogar in hinreißendem Opferstil. Eine sichere Bank!

Umso unverständlicher ist es, dass Dr. Jolowicz sich „Nicht ärgern für Dummies“ auf sein iPad geladen hat. Oder hat es zuweilen vielleicht doch eine gewisse Berechtigung? Schließlich lag er vor der letzten Runde mit einem halben Punkt in Führung, ein Remis hätte ihm mindestens den geteilten ersten Rang beschert.

Aber, Sie ahnen es schon, ihm erging es in dieser alles entscheidenden Partie wie dem 1. FC Köln die ganze Zeit. Schon habe ich die Stimme eines deutschen Schachgroßmeisters im Ohr, der sich in ähnlicher Lage das Umsteigen von Schach auf „Mensch ärgere dich nicht“ verordnete, dann aber verstört innehielt, als ihm die intellektuellen Anforderungen dieser beiden Spiele durchaus vergleichbar erschienen.

Das mag sein wie es will – und bevor ich mich in fruchtlosen Erörterungen vom Schach als Glücksspiel verliere – man kann sich jedenfalls sowohl beim Schach als auch bei „Mensch ärgere dich nicht“ so richtig schön von Herzen ärgern. Oder freuen!

Das tat sicher Dr. Jolowicz in der Diagrammstellung als Schwarzer am Zug, als ihm gegen Dr. med. Michael Kirchhof, der trotzdem noch vorzüglich abschnitt, in jäher Eingebung ein ebenso schöner wie giftiger Nadelstich kam, mit dem er das prekäre Gleichgewicht des schwarz-weißen Figurenklumpens in der Mitte in seinem Sinne zerstörte und zwangsläufig Material gewann. Wie kam’s? Seien Sie für einen Augenblick Dr. Jolowicz – „Freuen für Gescheities!“

Lösung:

Nach 1. . . . b5! mit Angriff auf den weißen Läufer hätte auch das naheliegende 2. Lxb5 Lxd5 Material verloren. Dr. Kirchhof verteidigte sich noch erfindungsreich mit 2. Sxc7!? bxc4 3. Sxe8 mit Gegenangriff auf die schwarze Dame, musste aber nach 3. . . . Txe8 doch die Überlegenheit von zwei Läufern gegenüber Turm und Bauer in dieser Stellung anerkennen.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema