VARIA: Personalien

Geburtstage

Dtsch Arztebl 1998; 95(36): A-2110 / B-1789 / C-1684

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Boris Luban-Plozza 75 - Wer sich für Psychotherapie interessiert, wird sich auch mit Balint-Arbeiten zu befassen haben. Heute ist die von dem von Ungarn nach England emigrierten Michael Balint inaugurierte Methode nicht nur in unsere Weiter­bildungs­ordnung aufgenommen worden, sondern sie wird auch von vielen Ärztinnen und Ärzten, die nicht spezialisierte Psychotherapeuten geworden sind, mit Kolleginnen und Kollegen, Patientinnen und Patienten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht zuletzt aus Krankenpflege oder Seelsorge angewandt und hat sowohl Selbstkritik als auch Verständnis für Gesprächspartner in beachtlicher und positiver Weise gefördert: Die Patienten standen und stehen im Mittelpunkt.
Die Verbreitung der Balint-Methode und die Förderung der Arbeit mit ihr ist ganz wesentlich Prof. Dr. LubanPlozza, dem Bündner Arzt aus Angio im Calanca-Tal, zu danken. Dort hatte er früh die wesentlichen Unterschiede in Persönlichkeit und Problemen der zum Teil recht einsamen, hart arbeitenden Menschen kennengelernt, bevor er später nach Locarno zog, um in umfassender Betrachtung des Menschen die besondere Bedeutung der Beziehung zwischen Arzt und Patient für dessen Gesundung zu erkennen. Das von ihm in Ascona begründete Internationale Balint-Zentrum hat nicht nur internationale Anerkennung gefunden, sondern gerade auch die Bedeutung des Arztes und seiner Persönlichkeit als Behandlungsfaktor herausgestellt. Die Witwe Balints, Enid Balint, nahm oft teil, weil sie das Erbe ihres Mannes dort besonders vertreten sah.
Am 27. Juni ist Prof. Dr. Boris Luban-Plozza 75 Jahre alt geworden. Der letzte von ihm selbst gestaltete BalintKongreß in Ascona, der 31., fand in zeitlichem Zusammenhang statt. Der eidgenössische Bundespräsident Flavio Cotti hatte das Patronat übernommen und in entsprechenden Worten das Balint-Treffen und das Werk LubanPlozzas gewürdigt.
Der Umgang mit den Patienten, die Konfrontation mit Krankheit, Leid, Trauer und Ängsten standen im Mittelpunkt der Arbeit, die Prof. Luban-Plozza mit engagierten Kolleginnen und Kollegen vor über zwei Jahrzehnten zu dem "Ascona-Modell" veranlaßten, das in überdisziplinärer Zusammenarbeit in Balint-Gruppen und in später gegründeten Monte-Verità-Gruppen gewohnte Perspektiven zugunsten neuer Aspekte und eines ganzheitlichen Verständnisses veränderte. Krankenpflegepersonal und Seelsorger haben dabei immer eine Rolle gespielt. Das Interesse, aber auch die Beteiligung von Medizinstudentinnen und Medizinstudenten ist wesentlich gefördert worden, da das Studium oft von Zeit und Lehre her in enttäuschender Weise das Interesse vieler angehender Ärztinnen und Ärzte zu diesen Fragen bei zunehmender Stoff-Fülle immer mehr ignoriert. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat daher das Ascona-Modell für die ärztliche Ausbildung besonders gewürdigt. Luban-Plozza hat besonders im deutschen Sprachbereich gerade auch in der ärztlichen Fortbildung, aber auch im Rahmen der Fortbildung der medizinischen Assistenzberufe mitgewirkt. Hier seien nur erwähnt: seine beliebten Balint-Seminare oder aber seine allgemeinen, besonders patientenbezogenen, immer in klarer, verständlicher, aber dennoch differenzierter Sprache gehaltenen Vorträge auf vielen internationalen Fortbildungskongressen der Bundes­ärzte­kammer in Davos, Grado, Montecatini, um nur einige zu nennen. Vielfach wurde Prof. LubanPlozza ausgezeichnet. Tausenden an Patienten tätigen Ärztinnen und Ärzten und Helfern aus allen betroffenen Gebieten hat er ein neues Verhältnis in der Begegnung mit den hilfesuchenden Patienten vermittelt. Für die fast missionarische Verbreitung der über das Verständnis zu wesentlicher Verhaltensänderung gehörenden Arbeiten ist Luban-Plozza zu danken. Erwin Odenbach


Prof. Dr. med. Hans Günter Hillemanns, em. Direktor der Universitäts-Frauenklinik Freiburg, wurde am 4. August 75 Jahre alt.
Hillemanns war mehr als 35 Jahre an der Universitäts-Frauenklinik in Freiburg tätig, von 1972 bis 1992 als Direktor, zuletzt als Geschäftsführender Direktor. Seine wissenschaftliche Karriere begann im Bereich der Krebsforschung, zum Teil in den USA. Seine wissenschaftlichen Untersuchungen und Ergebnisse der Stufentheorie des Zervix-Karzinoms wurden 1968 mit dem Wilhelm-Warner-Preis gewürdigt. Prof. Hillemanns war auch in Fachgesellschaften engagiert; so war er zehn Jahre lang Präsident des Baden-Württembergischen Krebsverbandes. Anläßlich seines 65. Geburtstages ist er mit einer akademischen Festschrift geehrt worden; er erhielt damals das Bundesverdienstkreuz.


Prof. Dr. med. et phil. Erich Grassl, Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, München, wurde am 30. August 85 Jahre alt.
Prof. Grassl ist seit 1946 in der ärztlichen Berufspolitik, seit 1970 in der Altenhilfe und Nachbarschaftshilfe engagiert. So war er lange Jahre Delegierter des Ärztlichen Kreisverbandes München, Vertrauensmann der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, Bezirksstelle München, fünf Legislaturperioden lang Vorsitzender der Sozialausschüsse der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer und der KV Bayerns. Auch im NAV-Virchowbund hat sich Prof. Grassl engagiert. Aus seiner Feder stammen einige Buchpublikationen, so der Ratgeber "Lebensfahrplan für Senioren" und das in München erschienene Buch "Die Kunst des Älterwerdens". Für sein langjähriges Engagement im Dienste der Patienten und der Ärzteschaft ist Prof. Grassl im Mai 1989 mit der Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet worden.


Prof. Dr. med. Kurt Hartung, Sozialpädiater aus Frankfurt/Main, wurde am 1. September 80 Jahre alt.
Kurt Hartung, in Lemgo geboren, absolvierte seine Weiterbildung zum Kinderarzt in Detmold und in Tübingen (Facharztanerkennung 1950). Danach wechselte Hartung an die Universitäts-Kinderklinik in Mainz; Habilitation 1958. Hartung war von 1959 bis 1969 Leiter der Abteilung Jugendgesundheitspflege im Stadtgesundheitsamt Frankfurt/Main. Außerplanmäßiger Professor an der Universität Mainz wurde er 1965, Umhabilitation 1966 nach Frankfurt. Von 1969 bis 1980 war Hartung ordentlicher Professor für Humanbiologie in Berlin. Er war Vorstandsmitglied und Vorsitzender (1974 bis 1977), danach Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie e.V. Lange Jahre war Hartung auch Präsidiumsmitglied und Vizepräsident der Deutschen Zentrale für Volksgesundheitspflege e.V., Frankfurt/Main.


Dr. med. Werner Haupt, Facharzt für Allgemeinmedizin in Trittau/Schleswig-Holstein, wurde am 3. September 90 Jahre alt.
Werner Haupt, der fast 40 Jahre lang eine Landarztpraxis in Schleswig-Holstein führte, engagierte sich schon früh für die ärztliche Berufspolitik. So gehörte er ab 1955 dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein an, deren stellvertretender Vorstandsvorsitzender er 1964 wurde. Dieses Amt gab er auf, als er 1969 zum 1. Vorsitzenden des Berufsverbandes der Praktischen Ärzte und Ärzte für Allgemeinmedizin Deutschlands e.V. (BPA), Hamburg, später Köln, gewählt wurde. Bis 1973 hatte Dr. Haupt dieses Amt inne. Von 1974 bis 1977 war er dann erneut BPA-Bundesvorsitzender. Dr. Haupt wurde mehrfach geehrt, so unter anderem mit der Hippokrates-Medaille der Internationalen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (1976), dem Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Anläßlich des 81. Deutschen Ärztetages im Mai 1978 in Mannheim erhielt er die Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft. EB

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige