AKTUELL: Akut

Neue Definition des akuten Lungenversagens

Dtsch Arztebl 2012; 109(35-36): A-1736 / B-1406 / C-1386

Siegmund-Schultze, Nicola

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Eine zuverlässige Definition des akuten Atemnotsyndroms (ARDS) ist für die klinische Praxis notwendig, um die Prognose des Patienten möglichst realistisch einschätzen und ihn optimal therapieren zu können. Aber auch für epidemiologische Untersuchungen und die Frage, welche Patienten in welche Studien eingeschlossen werden sollten, ist eine zuverlässige Definition erforderlich. 18 Jahre nach der letzten Überarbeitung hat nun eine europäisch-amerikanische Konsensuskonferenz (European Society of Intensive Care Medicine, American Thoracic Society, Society of Critical Care Medicine) die Definition des ARDS aktualisiert. Die sogenannte Berlin-Definition des akuten Lungenversagens ist im JAMA publiziert (JAMA 2012; 307: 2526–33).

Sie unterscheidet nicht mehr zwei, sondern drei Schweregrade des ARDS, abhängig von der Schwere der Hypoxämie und unter Berücksichtigung der Respiratoreinstellung:

schweres ARDS bei einem Quotienten von arteriellem Sauerstoffpartialdruck (PaO2)/inspiratorischer Sauerstoffkonzentration (FIO2) 100 mmHg, bei einem positiven endexpiratorischen Druck (PEEP)  5 cm H2O

moderates ARDS bei PaO2/FIO2 = 101–200 mmHg, bei PEEP ≥ 5 cm H2O und

mildes ARDS bei PaO2/FIO2 = 201–300 mmHg, bei PEEP ≥ 5 cm H2O.

Die Bezeichnung akute Lungenschädigung (Acute Lung Injury, ALI) für die mildere Verlaufsform entfällt in der neuen Definition.

Die häufigste Ursache für ein akutes Lungenversagen sind Pneumonien. Im Gegensatz zur bisherigen Definition korreliert die neue besser mit dem Mortalitätsrisiko der Patienten: Es beträgt 27 Prozent bei mildem ARDS, 32 Prozent bei moderatem und 45 Prozent bei schwerem ARDS.

Zur Definition gehören weiterhin der akute Beginn (innerhalb einer Woche) sowie bilaterale Verdichtungen in der Röntgenthoraxaufnahme oder Computertomographie. Ein kardiales Lungenödem muss definitionsgemäß ausgeschlossen werden, hierfür wird – im Gegensatz zum früher empfohlenen Pulmonaliskatheter – die Echokardiographie vorgeschlagen.

Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin empfiehlt, ab sofort nur noch die neue ARDS-Definition zu verwenden, und weist darauf hin, dass die Patienten protektiv beatmet werden sollten: um beatmungsassoziierte Lungenschäden zu vermeiden, mit einem niedrigen Atemzugvolumen von 6 ml pro Kilogramm Standardkörpergewicht. nsi

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