ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2012Medizingeschichte: Eine Art „Perspektivensammlung“

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Medizingeschichte: Eine Art „Perspektivensammlung“

Dtsch Arztebl 2012; 109(35-36): A-1768 / B-1433

Jütte, Robert

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Der Aufsatzband, der aus einem Workshop auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention hervorgegangen ist, enthält Beiträge zur Geschichte des Evidenzdenkens in der Medizin. Es sei keine systematische Abhandlung beabsichtigt gewesen, betonen die Her- ausgeber einleitend, sondern eine Art „Perspektivensammlung“. Damit klingt an, was dem Leser dann gleich ins Auge fällt, nämlich eine gewisse Disparatheit und Heterogenität der Beiträge. Den Auftakt bildet – wie könnte es anders sein – ein Wiederabdruck des Aufsatzes, in dem David L. Sackett und seine vier Mitautoren definieren, was sie unter EbM verstehen. Die lange Tradition des Evidenzdenkens in der Medizin kommt am Beispiel des berühmten Nürnberger Kochsalzversuchs von 1835 zur Sprache. Es handelt sich dabei um ein bahnbrechendes Experiment zur Wirksamkeit der Homöopathie, das schon viele Züge des heutigen Goldstandards (randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Arzneimittelprüfung) aufweist. Historisch angelegt ist weiterhin der Beitrag von Heiko Stoff, der untersucht, wie man bereits in den 1950er Jahren bemüht war, Evidenz für die krebserzeugende Wirkung von sogenannten Summationsgiften zu finden. Die Manipulation von Evidenz ist auch das Thema von drei Beiträgen, die am Beispiel des wissenschaftlichen Diskurses über die Schädlichkeit des Rauchens zeigen, wie Interessenkonflikte die Evidenz beeinflussen. Ähnliches gilt für die Rationalität der Arzneimittelversorgung im Allgemeinen, wie Gerd Glaeske zeigt. Robert Jütte

Gabriele Moser, Sigrid Stöckel, Joseph Kuhn (Hrsg.): Die statistische Transformation der Erfahrung. Beiträge zur Geschichte des Evidenzdenkens in der Medizin. Centaurus, Freiburg 2012, 200 Seiten, kartoniert, 24,80 Euro

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