ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2012Ambulante Vergütung: Der Streit dauert an

EDITORIAL

Ambulante Vergütung: Der Streit dauert an

PP 11, Ausgabe September 2012, Seite 385

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Honorarstreit geht in die nächste Runde: Bei Redaktionsschluss kam die Nachricht herein, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die erneuten Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband abgebrochen hat. Vier Tage zuvor, am 30. August, hatte der Schiedsspruch des Unparteiischen Vorsitzenden im Erweiterten Bewertungsausschuss den niedergelassenen Ärzten und Psychologischen Psychotherapeuten nur eine Honorarsteigerung von 0,9 Prozent beziehungsweise knapp 300 Millionen Euro für das Jahr 2013 zugestanden. Das rief einen Sturm der Entrüstung hervor. Zahlreiche Ärzteverbände drohten mit Praxisschließungen, sollten die Krankenkassen nicht nachbessern. Bei einer Sonder-Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der KBV zwei Tage später drohte der Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Köhler, sich gegen den Schiedsspruch wehren zu wollen. Würden die Bedingungen der Vertragsärzte und -psychotherapeuten nicht erfüllt, „dann müssen wir über den Sicherstellungsauftrag nachdenken“. Zudem will die KBV gegen den Schiedsspruch vor dem Landessozialgericht klagen. Für den Vorsitzenden der VV, Dipl.-Psych. Hans- Jochen Weidhaas, haben die Kassen „eindeutig eine rote Linie überschritten – und das bei 20 Milliarden Euro Polster“.

Seit Wochen streiten der GKV-Spitzenverband und die KBV über die künftigen Honorarzuwächse für die Niedergelassenen. Während die KBV einen Honorarzuwachs von 3,5 Milliarden Euro (plus elf Prozent) gefordert hatte, um die gestiegenen Betriebskosten und die Inflation auszugleichen, plädierten die Kassen für eine Absenkung des Orientierungswertes und damit des Honorars um 2,2 Milliarden Euro (minus sieben Prozent). Zur Begründung verweisen die Krankenkassen auf ein Gutachten der Unternehmensberatung Prognos. Danach sind zwar alle Praxiskosten seit 2007 gestiegen. Doch weil die Summe der erbrachten Leistungen und deren Gesamtvergütung zuletzt sehr viel stärker gewachsen seien als die Kosten, wolle man weniger Honorar zahlen, so die Argumentation.

Die Praxen der Psychotherapeuten haben die Prognos-Gutachter bezeichnenderweise aus ihren Berechnungen herausgenommen. Da deren Einkommen am untersten Ende der Einkommensskala aller Arztgruppen liegt, wäre der von Prognos behauptete Durchschnittsertrag sonst deutlich geringer ausgefallen. Dem aktuellen Honorarbericht der KBV zufolge erwirtschaftete ein Psychotherapeut im Jahr 2011 im Durchschnitt nur die Hälfte der Überschüsse (25 654 Euro) eines somatisch tätigen Arztes (49 345 Euro).

Anzeige

Bleibt es bei der minimalen Anhebung des Orientierungswerts von derzeit 3,5048 auf 3,5363 Cent, dann hätte das für die Psychotherapeuten fast noch fatalere Folgen als für die meisten somatischen Ärzte. Darauf weisen die Honorarexperten Dieter Best, Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung, und Jürgen Doebert, Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten, hin. Das Honorar für eine Einzelsitzung stehe seit Anfang 2009 unverändert bei 81,14 Euro. Weder habe ein Inflationsausgleich stattgefunden, noch wurden die Honorare an die Einkommenssteigerungen in der somatischen Medizin angepasst, obwohl das Bundessozialgericht einen solchen Anpassungsmechanismus vorschreibe. Eine Anhebung um 0,9 Prozent würde den Stundenlohn auf klägliche 81,37 Euro anheben. Dagegen zu protestieren, sollte Ehrensache sein.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema