ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2012Down-Syndrom: Umstrittener Bluttest auf dem Markt

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Down-Syndrom: Umstrittener Bluttest auf dem Markt

PP 11, Ausgabe September 2012, Seite 390

Richter-Kuhlmann, Eva

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Der umstrittene pränatale Bluttest auf das Down-Syndrom ist seit dem 20. August auf dem Markt. Er sei in mehr als 70 Praxen und Kliniken in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz verfügbar, teilte der Hersteller LifeCodexx in Konstanz mit. Ihm zufolge kann der „Praena-Test“ die Zahl der eingriffsbedingten Fehlgeburten „deutlich reduzieren“. Vertreter von Behindertenverbänden und Kirchen kritisieren jedoch, der Test „dient allein dazu, behinderte Kinder abzutreiben“.

Der „Praena-Test“ kann dem Hersteller zufolge Trisomie 21 zuverlässig ausschließen. Foto: dpa
Der „Praena-Test“ kann dem Hersteller zufolge Trisomie 21 zuverlässig ausschließen. Foto: dpa

Der Hersteller betont jetzt, der Test sei in der Lage, aus mütterlichem Blut eine Trisomie 21 „zuverlässig auszuschließen oder zu bestätigen“. Als Ergänzung zur nichtinvasiven Pränataldiagnostik sei er eine risikolose Alternative zur Amniozentese. Er sei jedoch ausschließlich für schwangere Frauen ab der zwölften Schwangerschaftswoche, die „ein erhöhtes Risiko für chromosomale Veränderungen beim ungeborenen Kind tragen“.

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Aber selbst für diese älteren Schwangeren (40 bis 44 Jahre) bliebe der positive Vorhersagewert des Tests noch deutlich unter 90 Prozent, moniert Dr. med. Elke Scharnetzky von der DAK-Gesundheit. Bei jüngeren Frauen (30 bis 34 Jahre) liege dagegen trotz eines positiven Testergebnisses nur bei etwa einem Fünftel der ungeborenen Kinder eine Trisomie 21 vor. Auch der Stuttgarter Labormediziner Dr. med. Kai Lüthgens hat Vorbehalte: Die Studienergebnisse hätten lediglich eine Erkennungsrate von etwa 95 Prozent für die Trisomie 21 ergeben, erläuterte er gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Somit könne der Test, ähnlich wie das derzeit eingesetzte Ersttrimesterscreening, nur ein erhöhtes Trisomie-21-Risiko ermitteln, jedoch ließe sich mit ihm keine abschließende Diagnose stellen. ER

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