ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2012Qualitätssicherung: Krankenkassen fordern Transparenz

POLITIK

Qualitätssicherung: Krankenkassen fordern Transparenz

PP 11, Ausgabe September 2012, Seite 395

Meißner, Marc

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Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands: „Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, Daten, die erhoben wurden, nicht zu veröffentlichen.“ Foto: dapd
Doris Pfeiffer, Vorstands­vorsitzende des GKV-Spitzen­verbands: „Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, Daten, die erhoben wurden, nicht zu ver­öffentlichen.“ Foto: dapd

Im September veröffentlicht das AQUA-Institut die Qualitätssicherungsdaten für 2011. Der GKV-Spitzenverband hat schon im Vorfeld Verbesserungen gefordert – vor allem bei der Transparenz und der sektorübergreifenden Qualitätssicherung.

Circa vier Millionen Datensätze aus Krankenhäusern und 430 Indikatoren – auf dieser Grundlage überprüft das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA) die Qualität der stationären Versorgung in Deutschland. Der Qualitätsreport für 2011 zeigt, dass die Kliniken sich in vielen Bereichen weiter verbessert haben; lediglich acht Indikatoren weisen auf einen dringenden Nachbesserungsbedarf hin. Während das AQUA-Institut in seinem Report die zusammengefassten Daten aller Krankenhäuser präsentiert, müssen die einzelnen Einrichtungen in ihren Qualitätsberichten nur einen Teil der Ergebnisse veröffentlichen. Aus Sicht des GKV-Spitzenverbands ist das zu wenig: „Wir haben jetzt die Situation, dass knapp 50 Prozent aller Indikatoren veröffentlicht werden“, sagt Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands.

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Dem GKV-Spitzenverband zufolge gibt es zwei Gründe, warum bestimmte Ergebnisse nicht veröffentlicht werden: wegen fehlender Risikoadjustierung – wodurch Kliniken mit schwierigeren Fällen schlechtere Ergebnisse aufweisen, da mehr Komplikationen zu erwarten sind – oder weil ein Indikator nicht aussagekräftig ist. „Dann brauchen wir diesen aber auch nicht zu erheben“, betonte Bernhard Egger, Leiter der Abteilung Medizin beim GKV-Spitzenverband. Eine geeignete Risikoadjustierung würde das AQUA-Institut gerade erarbeiten, so dass aus Sicht des GKV-Spitzenverbands nichts gegen eine Veröffentlichung aller Indikatoren spricht.

Sektorübergreifende Qualitätssicherung

Der GKV-Spitzenverband setzt auf die Weiterentwicklung der Indikatoren und die sektorübergreifende Qualitätssicherung. „Wir stellen fest, dass es Bereiche gibt, in denen eine Operation sehr gut und ohne Komplikationen durchgeführt wird, im Nachgang aber oft Probleme auftreten“, sagt Pfeiffer. Ein Beispiel seien Gallenoperationen, die eine sehr gute Qualität hätten. „Deshalb müssen die Patienten wegen einer solchen Operation nur sehr kurz im Krankenhaus bleiben. Wir erfahren aber nicht, ob nach dem Krankenhaus noch Komplikationen auftraten.“

Die dafür notwendigen Daten würden nicht erhoben, betonte die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands. Eine Wiederaufnahme im selben oder einem anderen Krankenhaus solle deshalb künftig von der Qualitätssicherung erfasst werden. „Damit wissen wir aber immer noch nicht, was ambulant gemacht wird“, räumte Pfeiffer ein. Sie kritisierte die fehlende Transparenz in der ambulanten Versorgung. Niedergelassene Ärzte seien bisher nicht verpflichtet, ihre Qualitätssicherungsdaten zu veröffentlichen. „Wir fordern, dass auch Vertragsärzte mit in die öffentliche Berichterstattung kommen“, sagte Pfeiffer. Ihrer Ansicht nach ist die Qualitätssicherung ein bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) sehr abgeschotteter Bereich.

Den Vorwurf, intransparent zu arbeiten, wies ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zurück. „Wer sich mit den Qualitätsberichten auseinandersetzt, wird feststellen, dass sie sehr ausführlich sind.“ Darüber hinaus sei der Einheitliche Bewertungsmaßstab eine Garantie für die Qualität, da nur ein Arzt mit der entsprechenden Fachkenntnis eine Behandlung durchführen dürfe. „Keine KV wird einen Arzt eine Tätigkeit ausführen lassen, für die er nicht die notwendigen Qualifikationen nachweisen kann.“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagierte auf die Kritik des GKV-Spitzenverbands gelassen. „Im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss arbeiten wir doch schon zusammen mit den Kassen und der KBV an Lösungen für diese Probleme“, sagte ein Sprecher der DKG.

Dr. rer. nat. Marc Meißner

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