ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1996Krankenkasse für die Heilberufe: Der BKK-Landesverband weist Vorwürfe zurück

POLITIK: Aktuell

Krankenkasse für die Heilberufe: Der BKK-Landesverband weist Vorwürfe zurück

Maus, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNSLNSLNS Im Streit um die Gründung einer Betriebskrankenkasse für die Angehörigen der Heilberufe hat sich jetzt der Landesverband der Betriebskrankenkassen Nordrhein-Westfalen zu Wort gemeldet. Er weist die Vorwürfe des AOK-Bundesverbandes und der Ersatzkassen zurück, wonach die BKK Nordstern mit ihrer geplanten Öffnung speziell für die Heilberufe "einen eindeutigen Versuch zur Risikoselektion in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung" beabsichtige. Auch werde die Friedensgrenze zwischen der GKV und der privaten Kran­ken­ver­siche­rung nicht verletzt, heißt es in einer Erklärung des BKK-Landesverbandes.


Die Absicht der BKK Nordstern, sich im Rahmen des bevorstehenden Kassenwettbewerbs für alle Versicherten, hauptsächlich aber für die Angehörigen der Heilberufe zu öffnen, ist auf heftige Kritik der großen Krankenkassenverbände gestoßen. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten der AOK-Bundesverband und der Verband der Ersatzkassen das Vorhaben der BKK Nordstern als eindeutigen Versuch der Risikoselektion in der GKV. "Die Entscheidung", so der Vorstandsvorsitzende der Ersatzkassenverbände, Herbert Rebscher, "ist aus politischen und rechtlichen Gründen äußerst problematisch."
Wie im Deutschen Ärzteblatt (Heft 11/1996) berichtet, will sich die BKK Nordstern ab Mitte dieses Jahres zunächst gezielt an die gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten der ärztlichen Organisationen (Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen) und die Mitarbeiter der Ärzte- und Apothekerbank wenden. Um einem zu schnellen Wachstum vorzubeugen, sollen dann in einem Stufenplan die Heilberufler und deren Mitarbeiter angesprochen werden – neben den Ärzten und den Arzthelferinnen auch die Apotheker und deren Personal.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenärztlichen Vereinigungen haben die Gründungsabsicht der BKK für Heilberufe ausdrücklich begrüßt und zugleich ihre Unterstützung zugesagt. Das wiederum ließ die AOK und die Ersatzkassen argwöhnen, die KBV und die KVen beabsichtigten eine "gezielte Einflußnahme auf das GKV-Geschäft". Konkret werfen die beiden Krankenkassenverbände den kassenärztlichen Organisationen die Verletzung des Prinzips der Gegnerfreiheit vor. Danach darf eine Interessenorganisation nicht die Interessen der anderen Seite vertreten. Als Gegenmaßnahme kündigten AOK und Ersatzkassen an, nunmehr Verträge mit einzelnen Arztgruppen oder die Errichtung von eigenen Gesundheitszentren mit angestellten Ärzten in Erwägung zu ziehen. Der Sicherstellungsauftrag der Ärzte sei für die gesetzlichen Krankenkassen kein Tabu mehr.


Keine Vermischung von GKV und PKV
Demgegenüber betonte der Vorstandsvorsitzende des BKK-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Jörg Hoffmann, daß die BKK für Heilberufe nur eine von bundesweit derzeit 60 Betriebskrankenkassen sei, die sich dem allgemeinen und vom Gesetzgeber gewollten Wettbewerb in der GKV stelle. Die Gefahr der Verletzung des Prinzips der Gegnerfreiheit sehe er in diesem Falle ebensowenig wie die einer Vermischung von Angeboten der privaten und gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Tatsächlich gehört die BKK Nordstern zu der Versicherungsgruppe Colonia – unter anderem einem Anbieter von privatem Kran­ken­ver­siche­rungsschutz. Nach Aussage Hoffmanns plane die BKK Nordstern jedoch keine Kooperation mit einer privaten Kran­ken­ver­siche­rung. Es sei verbindlich, daß die BKK für Heilberufe Produkte der privaten Kran­ken­ver­siche­rung weder anbiete noch vertreibe. Auch werde die Betriebskrankenkasse auf keinen Fall die Vertriebssysteme des Colonia-Konzerns nutzen und etwa im Bereich der Privat-Krankenversicherten akquirieren. Schließlich werde die BKK für die Heilberufe eigenes Personal haben und aller Voraussicht nach ihren Sitz nach Düsseldorf verlegen. Jörg Hoffmann verweist in diesem Zusammenhang auf eine dem BKK-Landesverband vorliegende Erklärung, mit der sich die BKK für Heilberufe auf den beschriebenen Verhaltenskodex festlege. Für Hoffmann ist damit klar, daß "die Friedensgrenze zwischen der gesetzlichen und der privaten Kran­ken­ver­siche­rung für die BKK für Heilberufe auch zukünftig verbindlich ist".
Was den bevorstehenden Wettbewerb der Krankenkassen untereinander angeht, heißt es in der Erlärung des BKK-Landesverbandes: "Vielmehr wird die BKK für die Heilberufe aufgrund der bundesweit günstigen Beitragsstruktur dazu beitragen, die Lohnzusatzkosten für die gesetzlich versicherten Mitarbeiter aus den Heilberufen zu senken. Dies gilt gleichermaßen für den Kran­ken­ver­siche­rungsbeitrag der Mitarbeiter aus den Heilberufen."
Daß dieser Umstand die Kritiker der BKK für die Heilberufe mehr als vieles andere beunruhigen könnte, wird aus der Reaktion des Ersatzkassen-Vorsitzenden Herbert Rebscher deutlich. Er betont die Verpflichtung jeder Kasse, alle Arten von Versicherten aufnehmen zu müssen, und sagt mit Blick auf die angestrebten günstigen Beitragssätze der BKK: "Deshalb wird sie gerade für die Sozialämter, die Arbeitsämter, die Rentenversicherungsträger und für die Werkstätten für Behinderte eine willkommene Gelegenheit zur Billigversicherung sein. Spätestens dann hat der Spuk ein Ende." Josef Maus

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote