ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2012Studium: Deutsch-ungarischer Abschluss

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Studium: Deutsch-ungarischer Abschluss

Dtsch Arztebl 2012; 109(37): A-1845 / B-1497 / C-1469

Osterloh, Falk

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Foto: Georg Tedeschi
Foto: Georg Tedeschi

Erstmals haben Medizinstudenten ihren Abschluss bei dem Klinikkonzern Asklepios gemacht. Mit dem Einstieg in die Universitätsmedizin will das Unternehmen seine Attraktivität für Studierende und Dozenten steigern.

Janine Hanschke (29) hat lange überlegt, bevor sie nach Ungarn gegangen ist. Schließlich hätte sie in Deutschland auch Chemie studieren können. Oder Zahnmedizin. Doch der Wunsch, Ärztin zu werden, war größer – mit ihrem Numerus clausus in Deutschland aber nicht zu erfüllen. Und so ging sie zunächst nach Szeged und dann an die Semmelweis-Universität nach Budapest – Studiengebühren und finnougrischer Landessprache zum Trotz.

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An der Semmelweis-Universität hat sie ihr Studium vor ein paar Wochen auch beendet, allerdings nicht in Budapest, sondern in Hamburg. Möglich gemacht hat dies eine Kooperation der ungarischen Universität mit der deutschen AsklepiosKliniken GmbH, die im Jahr 2008 ihren Anfang genommen und die in diesem Jahr die ersten 19 Absolventen hervorgebracht hat. Sie alle haben ihr Studium in Ungarn angefangen und sind zum Physikum nach Deutschland, an den AsklepiosCampus Hamburg, zurückgekehrt.

„Seit vielen Jahren bieten wir in Budapest ein deutschsprachiges Studium an. Viele Deutsche haben in dieser Zeit ihr Medizinstudium bei uns begonnen und sind nach dem sechsten Semester wieder in ihr Heimatland gegangen“, sagte der frühere Rektor der Semmelweis-Universität, Prof. Dr. med. Tivadar Tulassay, anlässlich der Diplomverleihung an die 19 Absolventen in der ungarischen Botschaft in Berlin. Deshalb sei die Idee entstanden, eine Fakultät in Deutschland zu gründen, in die die Studenten nach der Vorklinik wechseln und in der sie ein Semmelweis-Diplom erhalten könnten.

In Asklepios fand die Universität einen Partner. „Durch diese Zusammenarbeit können wir Dozenten attraktive Arbeitsplätze anbieten“, erklärte der Geschäftsführer der Asklepios Medical School, Dr. med. Jörg Weidenhammer. An den Hamburger Kliniken sei die Qualität der Bewerbungen infolge der Zusammenarbeit mit der Semmelweis-Universität bereits gestiegen. „Jetzt bewerben sich Professoren um unsere Chefarztposten, die ihre medizinische Arbeit und ein enormes Wissen mitbringen“, sagte Weidenhammer.

Durch die Zusammenarbeit mit der Semmelweis-Universität hat Asklepios in Hamburg auch das Promotions- und Habilitationsrecht erhalten. Ab dem Wintersemester 2012/2013 wird der Asklepios-Campus Hamburg zudem als erste internationale medizinische Fakultät in Europa fungieren. Der Abschluss wird europaweit anerkannt.

„Wir sind bewusst einen anderen Weg gegangen als die Rhön-Klinikum AG“, betonte Weidenhammer. Diese hatte im Jahr 2006 das Universitätsklinikum Gießen-Marburg übernommen und steht nun wegen des geplanten Abbaus von Arbeitsplätzen in der Kritik. Die Übernahme durch Rhön sei keine Privatisierung der Hochschule, sondern eine Privatisierung des Krankenhausbetriebs gewesen. Denn die Wissenschaftler würden nach wie vor vom Land Hessen bezahlt. „Wir wollten immer, dass die Professoren integraler Bestandteil von Asklepios werden“, erläuterte Weidenhammer. Deshalb würden sie auch von dem Konzern bezahlt. Gleichzeitig habe Asklepios die akademische Freiheit zugesichert.

Janine Hanschke ist mit ihrem Studium am Asklepios-Campus Hamburg zufrieden: „Wir waren der erste Jahrgang, und wir waren nicht viele. Deshalb hatten wir einen engen Kontakt zu unseren Dozenten und konnten Einfluss auf den Unterricht nehmen – wenn wir uns zum Beispiel mehr Praxisnähe gewünscht haben, so wurde dies nach unseren Vorschlägen umgesetzt.“

In dem neuen Studiengang werden die Prüfungen hauptsächlich mündlich abgenommen. „Wir wurden nach jedem Semester geprüft“, sagte Hanschke. „Während des Lernens war das schrecklich, aber prinzipiell gut, um das Wissen zu vertiefen.“

Um am Asklepios-Campus Hamburg studieren zu können, müssen die Studenten ebenso wie in Ungarn Studiengebühren bezahlen. Pro Semester kostet das Studium in Budapest 6 500 und in Hamburg 7 200 Euro. Eine monetäre Selektion sieht Weidenhammer jedoch nicht: „Die Eltern unserer Studenten sind nicht alle wohlhabend. Sie bilden einen normalen Querschnitt durch die Einkommensstruktur in Deutschland.“ Zudem helfe die Asklepios Medical School den Studierenden zum Beispiel mit der Vermittlung von Sparkassen und Banken zur Darlehensfinanzierung. Den guten und sehr guten Studenten, und manchmal auch den interessanten, biete Asklepios nach dem Studium einen Vertrag an, sagte Weidenhammer. Zwei Drittel der diesjährigen Absolventen hätten bereits unterschrieben.

Asklepios will den Weg in die Universitätsmedizin weiter beschreiten. In den kommenden Jahrgängen sind etwa 50 bis 60 Studierende vertreten. Zudem hat das Unternehmen Beleihungsverträge mit der Universität Regensburg und der Ludwig-Maximilians-Universität München abgeschlossen. In Regensburg betreibt der Konzern eine Klinik für Orthopädie, in Gauting eine Klinik für Lungenheilkunde. Auch an diesen Standorten könne man den Mitarbeitern mehr bieten, meinte Weidenhammer. „Deshalb werden wir weiter in diese Richtung gehen.“

Falk Osterloh

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