ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2012Krankenhausmarkt: Fresenius wirft das Handtuch

WIRTSCHAFT

Krankenhausmarkt: Fresenius wirft das Handtuch

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Verworrene Verhältnisse – bei Rhön darf jetzt die Konkurrenz mitreden. Das Eingangsportal des Rhön-Klinikums in Herschfeld. Foto: dapd
Verworrene Verhältnisse – bei Rhön darf jetzt die Konkurrenz mitreden. Das Eingangsportal des Rhön-Klinikums in Herschfeld. Foto: dapd

Der Gesundheitskonzern Fresenius will den Aktionären der Rhön-Klinikum AG vorerst kein neues Übernahmeangebot unterbreiten. Verlierer ist vor allem Rhön, wo nun die Konkurrenz Anteile besitzt und mitentscheidet.

Es ist das (vorläufige) Ende eines Wirtschaftskrimis: Am 3. September gibt Fresenius bekannt, den Aktionären der Rhön-Klinikum AG bis auf Weiteres kein neues Übernahmeangebot zu unterbreiten. Damit ist der Versuch des im DAX notierten Gesundheitskonzerns, die Marktführerschaft seiner Tochter Helios durch die Übernahme des im MDAX notierten größten Konkurrenten deutlich auszubauen, vorerst gescheitert.

Anzeige

Man wolle Klarheit für alle Beteiligten schaffen, betonte Vorstandschef Dr. Ulf M. Schneider. In den vergangenen Wochen hatte Fresenius noch händeringend nach Möglichkeiten gesucht, um auch mit einem Anteil von weniger als 90 Prozent die Macht bei Rhön zu sichern. „Leider konnte keine hinreichend verlässliche Grundlage für die Verwirklichung der unternehmerischen Ziele geschaffen werden“, sagte Schneider nun. Ein Verbund von Helios und Rhön hätte seiner Ansicht nach die Chance geboten, neue zukunftsweisende Wege in der deutschen Gesundheitsversorgung zu gehen: „Wir bedauern, dass diese strategisch sinnvolle Transaktion im Rahmen unseres Übernahmeangebots blockiert wurde, ohne eine konstruktive Alternative aufzuzeigen.“

Dazu muss man wissen, dass die Rhön-Satzung für wichtige Entscheidungen eine Zustimmungsquote von 90 plus eine Aktie vorsieht. Fresenius hatte deshalb eine Mindestannahmequote von 90 Prozent plus eine Aktie angesetzt, als es im Frühjahr den Rhön-Aktionären das Übernahmeangebot unterbreitete. Diese Quote wurde letztlich denkbar knapp verfehlt, weil die Asklepios-Kliniken GmbH – hinter Helios und Rhön die Nummer drei auf dem Krankenhausmarkt – just am letzten Tag der Annahmefrist 5,01 Prozent der Rhön-Aktien kaufte und so Verwirrung stiftete.

Der Kurs der Fresenius-Aktie legte am 3. September um 2,5 Prozent zu und war damit der größte Tagesgewinner im DAX. Die Anleger sind offensichtlich erleichtert darüber, dass der quälende Übernahmekampf vorbei ist. Zudem wäre jeder weitere Übernahmeversuch zum jetzigen Zeitpunkt sicher recht teuer geworden.

Der Kurs der Rhön-Aktie brach hingegen um 21,6 Prozent ein – der höchste Tagesverlust in der Unternehmensgeschichte. Entscheidend dafür dürften die nun sehr schwierigen Machtverhältnisse bei der Klinikkette sein. Denn deren Aktionärsstruktur ist inzwischen kompliziert. So hält der direkte Konkurrent Asklepios 5,01 Prozent der Anteile. Asklepios-Gründer und Gesellschafter Dr. Bernard gr. Broermann plant darüber hinaus, seinen Anteil auf mehr als zehn Prozent aufzustocken. Er hat bereits beim Bundeskartellamt nachgefragt, ob das okay wäre. Damit hätte Asklepios endgültig ein Vetorecht bei Rhön, wenn strategische Entscheidungen anstehen (Stichwort: satzungsgemäße Zustimmungsquote). Doch damit nicht genug: Mit den Sana-Kliniken GmbH soll sich ein weiterer Mitbewerber – die Nummer vier im Markt – bei Rhön eingekauft haben. Die Rede ist von einem Anteil zwischen fünf und sieben Prozent. Neben den Klinikketten hat auch der Krankenhauszulieferer B. Braun Melsungen Rhön-Aktien gekauft (mehr als fünf Prozent der Anteile) – vermutlich um zu verhindern, dass Rhön auf Fresenius-Produkte umsteigt.

Fresenius selbst hält derzeit eine Beteiligung von fünf Prozent minus eine Aktie an der Rhön-Klinikum AG. Dieser Anteil solle in begrenztem Umfang aufgestockt werden, kündigte Fresenius-Chef Schneider an, „damit hält sich Fresenius Handlungsmöglichkeiten im Hinblick auf eine weitere Konsolidierung im Krankenhausmarkt offen“. Der Krimi könnte also noch eine Fortsetzung erfahren.

Jens Flintrop

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote