ArchivDeutsches Ärzteblatt17/1996DNA-Technik entdeckt Risikoträger des vererbbaren Schilddrüsenkarzinoms

POLITIK: Medizinreport

DNA-Technik entdeckt Risikoträger des vererbbaren Schilddrüsenkarzinoms

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Mit etwa fünf Prozent aller Typen von Schilddrüsenkrebs ist die Inzidenz der vererbbaren Form des medullären Schilddrüsenkarzinoms zwar nicht sehr hoch, doch die Prognose war bis vor kurzem infaust. Heute können Neugeborene aus Risikofamilien über einen Genstatus identifiziert und durch prophylaktische Thyreoidektomie im Vorschulalter vor dem Ausbruch der letalen Erkrankung geschützt werden.
Den Schlüssel zu dieser Entwicklung hat die Molekularbiologie geliefert, wie Professor Samuel Wells (St. Louis) bei der 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie in Marburg darlegte. Mit der direkten DNA-Analyse sind die zugrundeliegenden Mutationen im RET-Proto-Onkogen nachzuweisen, die mit vererbten Formen des medullären Schilddrüsenkarzinoms assoziiert sind. Bisher waren bei familiärer Disposition die Risikoträger nur über belastende Tests zu ermitteln – bei positivem Ergebnis war die Erkrankung meist schon weit fortgeschritten.
Die Gendiagnostik erfolgt derzeit zentralisiert, wie Professor Bruno Allolio als Pressesprecher der Gesellschaft erläuterte. Als bester Zeitpunkt für die operative Entfernung der Schilddrüse (modifizierte Neck-Dissection) gelte derzeit ein Alter von sechs Jahren. Ein Eingriff im Säuglingsalter sei schwierig, nicht zuletzt auch wegen der danach notwendigen Substitution. Andererseits, so Allolio, entstehe die Erkrankung nur in seltenen Fällen vor dem sechsten Lebensjahr. Dr. Renate Leinmüller

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