ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2012Telematik: Standard in Sicht

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Telematik: Standard in Sicht

Dtsch Arztebl 2012; 109(38): A-1864

Krüger-Brand, Heike E.

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Der Kommunikationsdienst KV-Connect soll ab 2013 bundesweit eine sichere Kommunikation im KV-System ermöglichen.

Da die geplante Tele­ma­tik­infra­struk­tur für das Gesundheitswesen noch nicht verfügbar ist, der Kommunikationsbedarf jedoch stetig wächst, sollen bestehende Infrastrukturen und Kommunikationsansätze „von unten“ weiterentwickelt und gefördert werden. In den nächsten drei Jahren will das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) beispielsweise im Rahmen der Gesundheitswirtschaft 30 Telematikprojekte mit 25 Millionen Euro fördern. Bei allen Vorhaben soll dabei die Nutzerorientierung im Mittelpunkt stehen. Das berichtete Mathias Redders, Referatsleiter im nordrhein-westfälischen Ge­sund­heits­mi­nis­terium, bei der Fachtagung IT-Trends Medizin in Essen. „Wir wollen weg von der Gebrauchstauglichkeit, hin zu aktiver Partizipation der Nutzer“, erklärte Redders. Ein Beispiel dafür sei der elektronische Arztbrief, der derzeit in Düren erprobt werde.

Zwölf Millionen Euro Förderung für Aktensysteme

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Den Schwerpunkt des NRW-Förderprogramms bilden elektronische Aktensysteme, auf die insgesamt zwölf Millionen Euro der Investitionen entfallen werden. Weitere Bereiche sind Redders zufolge neben dem Arztbrief der elektronische Pflegebericht, die Arznei­mittel­therapie­sicherheit, der elektronische Heilberufsausweis sowie die Telemedizin.

„Es geht darum, nutzerorientierte Anwendungen für Arzt und Patient zu schaffen“, sagte auch Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe. „Das größte Manko sind die fehlenden Schnittstellen.“ Hier sei eine Standardisierung erforderlich. Das gelte insbesondere auch für das datenschutzgerechte Management der Selektivverträge. „Für den Arzt ist es nicht akzeptabel, mit vielen unterschiedlichen Lösungen zu arbeiten“, meinte Kriedel. „Daher sind einheitliche Lösungen erforderlich, die auch Zusatzverträge ermöglichen.“

Baustein für eine einheitliche sichere Infrastruktur

Die von den KVen entwickelte Kommunikationstechnologie KV-Connect ist nach Meinung Kriedels ein wichtiger Baustein in Richtung einheitliche Infrastruktur, da viele Hersteller von Praxisverwaltungssystemen (PVS) die hierfür erforderliche Schnittstelle in ihre Produkte integrieren wollen. KV-Connect ermöglicht den sicheren standardisierten E-Mail- und Datenaustausch zwischen Ärzten, KVen und weiteren Partnern aus dem medizinischen Umfeld direkt aus dem jeweiligen Primärsystem heraus. Der Kommunikationsdienst auf Basis von E-Mail-Technologie wurde unter Federführung der Telematik-Arbeitsgemeinschaft der KVen (KV Telematik ARGE) entwickelt.

„KV-Connect ist sektorübergreifend, herstellerunabhängig und standardisiert“, erläuterte Stephan Hoevels, Projektleiter von KV-Connect. Die Technologie unterstützt die Verwendung des elektronischen Heilberufsausweises und gängiger Signaturkarten und ermöglicht es, Arztbriefe datenschutzgerecht zu signieren und zu verschlüsseln. Ende 2012 soll eine mandantenfähige Version für den Einsatz in größeren Praxen und medizinischen Einrichtungen zur Verfügung stehen. Ziel sei es, KV-Connect bis 2013 flächendeckend einzuführen und als bundeseinheitlichen Standard für die Übertragung der KV-Abrechnung aus dem PVS zu etablieren, sagte Hoevels.

Heike E. Krüger-Brand

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