ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2012Der Patientenwille: Die Bedeutung des Gesprächs

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Der Patientenwille: Die Bedeutung des Gesprächs

Dtsch Arztebl 2012; 109(38): A-1885 / B-1531

Klinkhammer, Gisela

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Fragen nach dem mutmaßlichen Patientenwillen stellen sich im medizinischen Alltag sehr viel häufiger als Fragen zum Umgang mit Patientenverfügungen. Denn mehrheitlich liegen keine Patientenverfügungen vor und wenn, dann sind sie oft entweder nicht brauchbar oder auf die jeweils eingetretene Situation nicht anwendbar. Diese Erfahrung veranlasste den leitenden Krankenhausarzt Jürgen Bickhardt, mit Hilfe einer Broschüre Betroffenen, Angehörigen, Ärzten und Pflegenden Hilfe anzubieten, wenn sie vor der Frage stehen: Wer entscheidet über den Einsatz lebenserhaltender Maßnahmen bei nicht entscheidungsfähigen Patienten, und wie kommt eine Entscheidung im Sinne des Patienten zustande? Die Broschüre soll in erster Linie eine pragmatische Anleitung zur Ermittlung des Patientenwillens von nicht entscheidungsfähigen Patienten sein und zu verantwortbaren ethischen Entscheidungen in schwierigen Grenzsituationen ermutigen. Dabei ist es richtig, wenn Bickhardt darauf hinweist, dass jeder Einzelfall anders gelagert ist und dass einzelfallbezogene Entscheidungen möglich sind. Der Ratgeber zeigt auf, dass ein solcher Weg nicht nur möglich ist, sondern in der Regel zum Wohl des Patienten auch im Einvernehmen mit allen Beteiligten gegangen werden kann.

Dabei hat Bickhardt bewusst den Text nur aus Sicht des Arztes geschrieben. Er begründet dies damit, dass „entscheidende Weichenstellungen schon immer vom Verhalten der Ärzte gegenüber dem Patienten oder seinem Stellvertreter abhängen“. Und das werde auch künftig so bleiben. Bickhardt macht aber gleichzeitig zu Recht darauf aufmerksam, dass das Gespräch zwischen dem betreuenden Arzt und dem Stellvertreter des nicht entscheidungsfähigen Patienten immer zentrale Bedeutung behalten wird. Derartige Gespräche können letztendlich dann auch den Gang zum Rechtsanwalt oder Betreuungsgericht überflüssig machen. Gisela Klinkhammer

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Jürgen Bickhardt: Der Patientenwille. Was tun, wenn der Patient nicht mehr selbst entscheiden kann? 2. Auflage, Beck, München 2012, 63 Seiten, kartoniert, 4,40 Euro

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