ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2012Axiale Spondyloarthritis: Frühe Therapie mit Adalimumab

PHARMA

Axiale Spondyloarthritis: Frühe Therapie mit Adalimumab

Dtsch Arztebl 2012; 109(38): A-1892

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Tumor-Nekrose-Faktor ist nun auch für Patienten ohne radiologischen Nachweis einer ankylosierenden Spondylitis zugelassen.

Spondyloarthritis ist der Sammelbegriff für eine Gruppe von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, die sich durch gemeinsame klinische und genetische (Assoziation mit dem MHC-I-Antigen HLA-B27) Merkmale auszeichnen. Prinzipiell können alle Subtypen, die sich primär durch chronische Rückenschmerzen und Steifigkeit bemerkbar machen, in die schwerste Form – die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) – übergehen. Um eine solche Progression aufzuhalten, muss die Diagnose so zügig wie möglich gestellt werden.

Dies ist im Einzelfall jedoch schwierig, zumal der typische Befund der Sakroiliitis, also der Entzündung der Kreuzdarmbeingelenke, erst spät im Röntgenbild sichtbar wird. Hinzu kommt, dass entzündliche Rückenschmerzen bei 25 Prozent der Patienten wegen mechanischer Ursachen auftreten. Orthopäden und Allgemeinmediziner bedenken daher nur selten die Möglichkeit, dass eine Spondyloarthritis auch Ausdruck einer frühen Form des Morbus Bechterew sein kann.

Anzeige

In den letzten Jahren wurden jedoch Fortschritte bei der frühen Diagnose erzielt, zudem wurden neue Klassifikationskriterien etabliert, die die Differenzialdiagnose erleichtern. Demnach ist eine axiale Spondyloarthritis in Erwägung zu ziehen:

  • bei entzündlichen Rückenschmerzen, die erstmals im Alter unter 40 Jahren auftreten;
  • Verbesserung der Schmerzen durch Bewegung;
  • Nachtschmerz, der sich nach dem Aufstehen verbessert;
  • HLA-B27 positiv (HLA-B27 ist ein effektiver Screeningtest zur Früherkennung).

Die axiale Spondyloarthritis tritt häufig in Verbindung mit anderen Organmanifestationen auf. Dazu gehören die Arthritis der peripheren Gelenke, Enthesitis (Achillessehne, plantare Faszie am Calcaneus), Uveitis, Daktylitis, Psoriasis, Morbus Crohn beziehungsweise Colitis ulcerosa. Zudem sind häufig unspezifische Symptome wie Depression, Müdigkeit, Erschöpfung und Abgeschlagenheit zu beobachten.

Für die bildgebende Darstellung der aktiven Entzündungsprozesse an der Wirbelsäule sowie des Iliosakralgelenks gilt die Magnetresonanztomographie (MRT) heute als Goldstandard.

Wirkstoffwechsel jetzt früher

Gemäß den aktuellen Empfehlungen der Assessment of Spondyloarthritis International Society (ASAS) und der European League Against Rheumatism sollten als Erstes nichtsteroidale Antirheumatika eingesetzt werden (Ann Rheum Dis 2011; 70: 896–904). Bei Nichtansprechen auf mindestens zwei verschiedene Wirkstoffe über mindestens vier Wochen (vormals drei Monate) kann auf eine Tumor-Nekrose-Faktor-alpha(TNF-α)-blockierende Therapie gewechselt werden.

Auf der letzten Jahrestagung der American College of Rheumatology in Chicago wurden die Daten aus der internationalen ABILITY-1-Studie zum Nutzen des TNF-α-Blockers Adalimumab (Humira®, Abbott) bei 200 Patienten mit nicht-röntgenologischer axialer Spondyloarthritis vorgestellt. Die Studie war mit dem Ziel durchgeführt worden, eine Zulassungserweiterung für die frühe Form der axialen Spondyloarthritis zu erreichen. Ähnlich wie bei Patienten mit etablierter Erkrankung erreichten in der Adalimumab-Gruppe (n = 91) 36 Prozent der Patienten den primären Endpunkt (ASAS40-Verbesserung), unter Placebo waren es 15 Prozent (n = 94). Patienten mit einer Krankheitsdauer von weniger als fünf Jahren profitierten besonders von Adalimumab (49 Prozent versus sechs Prozent unter Placebo), ebenso Patienten mit hohem Entzündungsparameter (CRP-Spiegel): 55 Prozent im Vergleich zu elf Prozent.

Eine deutliche und signifikante Verbesserung zeigte sich ebenfalls im MRT sowohl in den Sakroiliakralgelenken als auch in der Wirbelsäule. Auf Basis dieser Daten hat Abbott von der Europäischen Arzneimittelbehörde die Empfehlung einer Zulassungserweiterung für Adalimumab für Patienten ohne radiologischen Nachweis einer ankylosierenden Spondylitis erhalten. zyl

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema