ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2012Spezielle MRT-fähige Elektroden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Zwei Firmen (Medtronic, St. Jude Medical) haben für ihre Herzschrittmacher spezielle MRT-fähige Elektroden entwickelt, mit denen induzierte elektrische Spannungen abgeleitet werden. Allerdings unterscheiden sich die grundsätzlichen Wirkungsprinzipien. Für die Praxis bedeutet dies, dass immer nur Elektroden und Schrittmacheraggregate desselben Herstellers zu implantieren sind. Die technisch mögliche Kombination von Elektroden und Aggregaten unterschiedlicher Firmen führt in jedem Fall zum Verlust der Kernspintauglichkeit. Bislang sind auch nur speziell ausgewiesene Schrittmachersysteme von Medtronic und St. Jude Medical für uneingeschränkte MRT-Untersuchungen bis 1,5 Tesla zugelassen. Die als „Pro MRI“ gekennzeichneten Geräte der Firma Biotronik sollten nach Herstellerinformationen zwar ebenfalls nur mit Biotronik-Pro-MRI-Elektroden (ohne spezielle Ableitungsalgorithmen) kombiniert werden, sind aber nicht für MRT-Untersuchungen des Thorax und Bauchraumes geeignet.

Trotz vereinzelter folgenloser MRT-Untersuchungen bei ICD-Trägern muss vor unkritischer Übernahme dieser Praxis gewarnt werden. So hatte ich als Gutachter den Totalausfall eines Defibrillators mit Resynchronisationsfunktion (CRT-D) durch eine akzidentelle MRT-Untersuchung des Kopfes zu bewerten. Sehr kritisch zu hinterfragen ist auch die Praxis eines Herstellers, ICD-Systeme ohne speziell dafür entwickelte, aber analog als „Pro MRI“ gekennzeichnete ICD-Elektroden als MRT-fähig zu vermarkten. Allein die Beobachtung einzelner Kernspinuntersuchungen von ICD-Patienten, ohne entsprechende Studienergebnisse (Voraussetzung zum Beispiel für die Marktzulassung in den USA) vorzuweisen, reicht nicht aus, diese ICD-Systeme als kernspintauglich mit Ausnahme des Körperstammes einzustufen.

Generell sollte jeder Herzschrittmacher- oder ICD-Patient individuell über die Kernspintauglichkeit seines Systems und alle Einschränkungen informiert werden und dies im Schrittmacherausweis dokumentiert sein.

DOI: 10.3238/arztebl.2012.0643b

PD Dr. med. Bert Hansky

Klinik für Kardiologie, Klinikum Bielefeld

bert.hansky@klinikumbielefeld.de

Interessenkonflikt
Der Autor unterhielt Beraterverträge mit Medtronic, Biotronik und St. Jude Medical. Er bekam Erstattung für Teilnahmegebühren, Reise- und Übernachtungskosten sowie Honorare für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen von Medtronic, St. Jude Medical und Biotronik und erhielt Drittmittel für klinische Studien von Medtronic, St. Jude Medical und Biotronik.

1.
Bovenschulte H, Schlüter-Brust K, Liebig T, Erdmann E, Eysel P, Zobel C: MRI in patients with pacemakers—overview and procedural management. Dtsch Arztebl Int 2012: 109(15): 270–5. VOLLTEXT
1.Bovenschulte H, Schlüter-Brust K, Liebig T, Erdmann E, Eysel P, Zobel C: MRI in patients with pacemakers—overview and procedural management. Dtsch Arztebl Int 2012: 109(15): 270–5. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige
Anzeige