ArchivMedizin studieren4/2012Start ins Studium: Finden Sie den Ersti!

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Start ins Studium: Finden Sie den Ersti!

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 4/2012: 7

Richter-Kuhlmann, Eva

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Illustration: Ralf Brunner
Illustration: Ralf Brunner

Nur die Schultüte fehlt. Ansonsten kommt der Start ins Medizinstudium einer Einschulung gleich. Beim Anblick eines Erstis wird so manchem warm ums Herz. Doch wie erkennt man ihn? – eine Anleitung.

Medi-Erstis sind trotz körperlicher und mentaler Reife und dem Gefühl des Erwachsenseins und jahrelanger Lebenserfahrung an ihrem ersten Studientag genauso aufgeregt wie Erstklässler auf dem Weg zur Schule: Werde ich Freunde finden? Wie werden die neuen Fächer und Professoren sein? Werde ich gleich im ersten Seminar beim Anblick eines Leichenteils umkippen? Werde ich die Lernerei packen? Und ist die Medizin überhaupt was für mich? (Dazu auch unser Psychotest in diesem Heft). All diese Fragen führen zu einer Daueraktivierung des sympathischen Nervensystems.

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Langjährige Medis sind da zu Beginn des neuen Semesters wesentlich abgeklärter. Alle Fragen sind längst zur Zufriedenheit beantwortet. Dennoch – und vielleicht gerade deshalb – ist es toll, neue Erstis zu beobachten und in Erinnerungen an diese aufregende Zeit zu schwelgen. Doch woran erkennt man die neuen Erstis? Schultüten und überproportional große und besonders grellbunte Ranzen haben sie nicht, und auch Alter und anthropometrische Daten, wie Körpergröße und Gewicht, sind keine zuverlässigen Indizien. Es gibt jedoch eine Reihe von Merkmalen, anhand derer sich ein Medi-Ersti zweifelsfrei identifizieren lässt:

Auf dem Campus

Bereits hier ist es möglich, zur „Prima-vista-Diagnose“ zu gelangen. Man richte lediglich sein Augenmerk auf mitgeschleppte Bücher und Arbeitsmaterial: Es sind zahlreiche Exemplare, denn Erstis haben eine große Affinität zu Büchern. Für jedes Fach besorgen sie sich Bücher, und das meist von mehreren Verlagen beziehungsweise Autoren. Häufig sind diese auch noch neu. Dieses Phänomen resultiert einerseits aus der ersti-spezifischen Sorge, etwas zu verpassen, und andererseits ihrer Unwissenheit, welches Buch relevant ist und wo es sich günstig gebraucht besorgen lässt. Ferner lieben es Erstis, ihr Anatomiematerial öffentlich sichtbar herumzutragen. Das Benutzen von Totenschädeln als Jacken-Zipper ist besonders in der Zeit um das Kopf-Testat herum beliebt. Ganz einfach fällt die „Diagnose“ eines Erstis, wenn man zwischen den vielen Blättern und Büchern noch den Hefter vom Bio-Leistungskurs entdeckt.

Vor dem Hörsaal

Oft genügt ein Blick in den Hörsaal, um festzustellen, ob er mit Medi-Erstis besetzt ist. Denn ihnen fehlt noch das Selektionsvermögen. Ganz gleich, ob die Vorlesung staubtrocken und in jedem Skript in wenigen Minuten nachlesbar ist oder ob sie erst am späten Freitagnachmittag beginnt: Getrieben von hoher Motivation und panischer Angst vor dem Versagen, füllen Erstis den Saal bis zum letzten Sitz und ihre Schreibblöcke bis zur letzten Zeile.

In der Mensa

Auch hier heben sich die Medi-Erstis deutlich von ihren Kommilitonen der höheren Jahrgänge ab: Nach dem vor- angegangenen Präp-Kurs ist ihre Haut wesentlich blasser und ihr Appetit merklich geringer. Hähnchenschenkel werden von ihnen nur mit der allergrößten Vorsicht und unter Wahrung der anatomischen Strukturen zerlegt. Einen Hinweis auf die Erstis geben auch ihre Gespräche. Sie drehen sich hauptsächlich um Abiball, Schule und die neuen Bücher. Denn Stoff für Unterhaltungen über OPs und Exsudate in allerlei Färbungen werden sie erst in einigen Wochen haben. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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