SCHLUSSPUNKT

Schach: Es gab kein Paprikagulasch

Dtsch Arztebl 2012; 109(39): [64]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Vor Urzeiten durfte ich einen Großteil meiner internistischen Lehrjahre im Kreiskrankenhaus Altperlach in München verbringen. Ein Ort, an dem man noch weiß, warum München ein Millionendorf genannt wird. Vorm Krankenhaus fließt der Hachinger Bach vorbei, gegenüber steht die Kirche St. Michael, daneben Bäckerei, Metzgerei, Gasthaus und ein Bestattungsunternehmen, der Friedhof ist nicht weit – kurzum, alles was zum Leben und Sterben gehört, ist bestens zusammengefügt.

Entsprechend war unser Krankenhaus recht persönlich und menschlich, und es ist wahrlich kein Zufall, dass unser ehemaliger Oberarzt Carl Oberwegner die „Ehemaligen“ noch einmal im Jahr zu einem Treffen einlädt, in dem dann natürlich die alten Zeiten gepriesen und die neuen geschmäht werden. In diese (internistische) Runde durfte sich sogar all die Jahre ein vor einiger Zeit leider verstorbener Chirurg verirren, der die Fähigkeiten seiner Zunft und insbesondere seine eigenen zu loben nicht vergaß – mein Gott, sind wir tolerant!

Beim letzten Mal erzählte unser Oberarzt nun folgende Begebenheit:

Ein Patient mit Herzinfarkt stirbt auf der Intensivstation. Zwei Jahre später beschuldigt seine Tochter das Krankenhaus, dass der Vater gestorben sei, weil er drei Tage hintereinander zum Essen Paprikagulasch bekommen hätte. Dank der vorbildlichen Archivierung unseres Krankenhauses findet man noch die alten Essenspläne dieser Tage: Paprikagulasch war nicht dabei.

Leider hilft eine entsprechende Richtigstellung nicht, die Tochter wendet sich an den Landrat. Dieser bittet um eine Stellungnahme, die unverzüglich erfolgt, aber die aufgebrachte Tochter nicht beschwichtigen kann. Was liegt näher, als dass diese sich nun an Franz Josef Strauß persönlich wendet, dessen Ministerialkanzlei um eine Stellungnahme bittet . . . Und wenn sie nicht gestorben sind, dann . . .

So war es also in unserem Mikrokosmos Krankenhaus, in dem allerdings nicht pausenlos zum Wohl der Menschheit geheilt, sondern ab und zu zur eigenen Entspannung auch Schach gespielt wurde. Leider kann ich Ihnen kein Beispiel der unzähligen Kämpfe zwischen den Kämpen Franz Weiß und Burkhard Roselieb zeigen, denen ich gelegentlich als Kiebitz staunend und bewundernd zuschauen durfte – sie wurden allesamt nicht für die Nachwelt aufgezeichnet.

So müssen Sie also mit dem Radiologen Dr. med. Kurt Baum – allerdings wenigstens auch aus München – vorliebnehmen. Nun hat Baum also zwar den nicht wieder gutzumachenden Makel, nie in Altperlach „gedient“ zu haben und dort sozialisiert worden zu sein, aber da er sonst ein ausgesprochen angenehmer Zeitgenosse ist und an allen 20 bisherigen Ärzteturnieren teilgenommen hat, will ich Ihnen seine hübsche Kombination gegen Dr. med. Christian Danisch vom letzten Ärzteturnier nicht vorenthalten.

Wie konnte Dr. Baum als Schwarzer am Zug den weißen König siegbringend überfallen?

Lösung:

Nach dem Springeropfer 1. . . . Sg3+! musste Weiß diesen Teufelsbraten schlucken, weil die schwarze Dame aus der Ferne das Fluchtfeld g1 des weißen Königs kontrolliert. Nach 2. hxg3 hxg3+ war allerdings das Matt im nächsten Zug nicht mehr zu vereiteln, weshalb Weiß aufgab.

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